Räumungsklage? Schön langsam beim AG Hamburg-Mitte.
Mittwoch, 22. Mai 2013 | Autor: Michael
Unlängst schrieb ich hier über den neuen § 272 IV ZPO und das vom Gesetzgeber angestrebte erhöhte Tempo bei Räumungsklagen.
Heute wurde ich mit der prozessualen Wahrheit konfrontiert. Am 18.4., also vor fast fünf Wochen, reichte ich eine Räumungsklage beim AG Hamburg-Mitte ein. Nach zwei Wochen wurde ich langsam unruhig. Keine Aufforderung, die Gerichtskosten einzuzahlen. Nichts. Nach drei Wochen riefen meine Mitarbeiterinnen an und versuchten sich durchzufragen. Warteschleifen, unklare Auskünfte. Nichts.
Heute also wurde es mir zu bunt. Nach 10 Minuten Warteschleife bzw. wiederholten Anrufen nahm in der Zentralen Eingangsstelle eine sehr freundliche Dame ab und teilte mir drei Nummern der Geschäftsstelle mit, bei der sich meine Klage befinden solle. Tatsächlich nahm sogleich eine Justizangestellte ab. Ja, die Klage sei angekommen. Ja, sie habe auch ein Aktenzeichen erhalten. Sie hätte die Akte aber nicht. Die Akte sei bei den “Aushilfen”, und diese wären in einem anderen Zimmer. Die “Aushilfen” seien aber auch nicht regelmäßig da. Auf weitere Frage: sie könne im Computer sehen, dass zur Akte am 16.5. etwas verfügt worden sei. Auf Nachfrage: falsch. Sie sei in der Zeile verrutscht. Tatsächlich wäre das schriftliche Vorverfahren angeordnet worden, und zwar am 21.5. Hm. Ich wagte anzumerken, dass ich dies für unwahrscheinlich halte, da ohne Gerichtskosteneinzahlung mit Sicherheit keine entsprechende Verfügung der Richterin getroffen worden sei. Am anderen Ende der Leitung : ein hörbares Grübeln. Dann: zwei bis drei Wochen bis zum Eingang der Anforderung der Gerichtskosten seien normal. Hm. Ich verwies auf die mittlerweile fünfte Woche, die gerade verstrich. Wieder ein hörbares Grübeln. Dann: die “Aushilfen”. Ohne die Akte könne sie das nicht überprüfen. Aber dann die gute Nachricht: am nächsten Dienstag dann solle ich doch wieder anrufen. Dann hätte sie vermutlich die Akte von einer “Aushilfe” erhalten.
So richtig beschleunigt klingt das alles nicht gerade. Ich bedankte mich herzlich, diktierte ein höfliches Erinnerungsschreiben ab und notierte mir eine Frist. Für kommenden Dienstag latürnich. Man will die Justiz ja nicht überbeschleunigen. Falls die Aushilfen dann noch immer auf der Akte sitzen, fahre ich persönlich vorbei. Oder reiche die Klage nochmal ein. Oder lasse mich als Aushilfe anstellen, für eine Stunde.
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