Lehrergeschichten.
Mittwoch, 29. Oktober 2008 | Autor: Michael
Juristen und Lehrer sind wie Katz und Hund. Allerdings stimmt dieser Vergleich nur bedingt, weil Katze und Hund sich durchaus vertragen können. Lehrer und Juristen können dies (vertragen) nicht. Oder sagen wir ruhig: “nie”.
Noch kritischer ist es, wenn Notare und Lehrer zusammentreffen. Das kommt im Leben glücklicherweise nicht all zu häufig vor. Aber es kommt vor. Diese Treffen erkennt man daran, dass Notar etwa bereits nach einer halben Stunde verzweifelte Anweisungen an sein Personal gibt, den nächsten Mandanten abzusagen, bevor sie den Rest ihres Lebens im Wartezimmer des Notars zubringen. Notar erscheint dann beispielsweise mit puterrotem Kopf an der Tür seines Beurkundungszimmers und ruft den Mitarbeitern am Tresen zu “Absagen, alles für heute absagen.” Und das bereits am Vormittag!
Ich erinnere mich noch immer gerne an eine meiner ersten Kaufvertragsbeurkundungen. Als ich den Entwurf von den Mandanten zurückbekam, dachte ich zuerst, da muss jemand doch die rote TInte ausgelaufen sein. Erst bei zweiter Durchsicht sah ich dann, dass jemand ganz feinsinnig am Rand fast eines jeden Absatzes mit rot auf allen 12 Seiten Anmerkungen wie “Stil”, “R”, oder “das geht besser!” angebracht hatte.äAls junger Notar ist man ja durchaus lernfähig, Und willig. Allerdings fand ich diese Reaktion dann doch ein wenig übertrieben. “Haus und Grundstück werden besenrein übergeben” etwa finde ich als Formulierung deutlich genug; jedoch hieß es am Rande, im freundlichen Rot: “besenrein gibt es nicht!”. Ja, mit Ausrufezeichen versehen.
Die Beurkundung dann, Tage später, dauerte übrigens fast dreieinhalb Stunden.
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