Landgericht. Berufungskammer, Zivilsache. Zähe Vergleichsgespräche. Zäh auch, weil das Gericht seine Meinung – ohne dass sich an der Tatsachenlage etwas geändert hätte – um 180 Grad gedreht hat – bestürzte Partei, fassungslos ob des drohenden Verlustes von Zigtausendeuros. Dann, mittendrin, nach einer Stunde, um 12.10 Uhr, in die Ausführungen des Vorsitzenden hinein, der Beisitzer:
“Ich muss mal telefonieren.”
Stille. Der Vorsitzende, leicht irritiert. “Jaa, dann… machen wir mal eine Pause. Wenn Sie dann bitte den Saal…” Schon verstanden. Die Parteien und ihre Anwälte erheben sich und verlassen den Saal. Leicht verwundert. Scheint dringender Fall zu sein. Also warten, draußen auf dem Flur. Kann ja nicht wirklich lange dauern. Hm.
In der Tat. 12.15 Uhr. 12.20 Uhr. 12.30 Uhr. Dann, die Tür zum Sitzungssaal geht wieder auf. “In Sachen … wird fortgesetzt.” Alle gehen hinein, setzen sich wieder. 20 Minuten. Es geht kommentar- und entschuldigungslos weiter. Nur der Beisitzer scheint etwas abwesend.
15 Minuten später dann. Die Parteien sind sich einig. Ein Vergleich. Nur die Kosten müssen noch gequotelt werden. Also rechnen. Der Vorsitzende, mit Blick auf den Beisitzer: “Wir machen eine 20minütige Pause. Sie können gerne etwas Essen gehen, wir schließen ab.” Alle wieder raus. Wieder warten, knapp 25 Minuten. Drinnen im Saal dann, der Vorsitzende verkündet eine einfache Kostenquote für die erste Instanz und Kostenaufhebung für die zweite. Äh. Dafür 25 Minuten??
Insgesamt dauert die Verhandlung incl. Pausen dann zweieinhalb Stunden. Fragen bleiben. Sie betreffen die Höflichkeit. Den Umgang des Gerichts mit Anwälten und Parteien. “Wie ernst nehmen die das hier eigentlich?” “Wenn ich hätte 20 Minuten telefonieren müssen, hätt ich das auch gekonnt?” “Ich hätte ja wenigstens “tut mir leid” gesagt. Tja. Zu viel verlangt?