An der Entscheidungsfindung beteiligt.
Dienstag, 9. Dezember 2008 | Autor: Michael
Der gestrige Sitzungstag in Itzehoe gab mir zu denken. In vielerlei Hinsicht. Aber das interessiert hier sowieso niemand.
Was interessieren könnte, ist der Umstand, dass neben dem den Vorsitz führenden Richter auf Probe ein Referendar die Verhandlung mitführte. Nein, er führte sie nicht allein; das Gerichtsverfassungsgesetz gestattet ja, den Referendaren zu Ausbildungszwecken die Verhandlungsleitung zu übertragen. Davon ist hier nicht die Rede. Es geht darum, dass der Herr Referendar offenkundig ein erhebliches Mitspracherecht hatte. Das anfängliche, permanente Nicken – wenn sein Ausbilder, der Herr Proberichter, etwas von sich gab – störte mich noch gar nicht. Erst als er dann die Prozessbevollmächtigten unterbrach, seinen eigenen Senf hinzugab, dem Vorsitzenden lautstark beipflichtete, wurde ich zugegebenermaßen genervt. Offenbar habe ich mal wieder irgendeine Modephase verpasst – solche gibt es ja auch in der Referendarausbildung. Oder eine Gesetzesänderung (z.B. “Referendare wirken an der Entscheidungsfindung des Gerichts in der Verhandlung mit”. Oder so.). Zu meiner Zeit (ja, jetzt seufzt alles) hatten wir als Refendare die Klappe zu halten, es sei denn, wir wurden gefragt. Aber auch da hat sich was geändert.
Irgendwann stellte der Vorsitzende dann fest, dass er seinen Taschenrechner vergessen hatte. Macht nix. Der Herr Referendar zückte sein iphone, stellte es an und reichte es weiter. Dann allerdings brummte es mehrfach. Sms halt. Aber ich sag schon nix mehr. Zu meiner Zeit…usw.


Der Inhalt der SMS wirkte sich aber nicht auf die Entscheidung aus, hoffe ich.
ich glaube wir brauchen beide: einen Yoga-Kurs. Ich hab gehört das soll beruhigen.
Und ich finde du solltest mehr Termine in Meldorf haben….
Da wäre ich nicht so sicher. Vielleicht hätte ich doch besser mein iphone gereicht.
Dann brauch ich den Yogakurs den ganzen Tag. Itzehoe und Pinneberg in dieser Woche an einem Tag reichen mir, vorerst. Dein Bruder kann also warten.
Es war nicht nur früher Regel, es ist sie heute noch: Wenn der Kuchen redet, hat der Krümel Sendepause!
Werte Tina, ich stimme zu. Kuchen sind hier allerdings nicht die Anwälte, sondern der Vorsitzende. Wenn dem das Dazwischengeplapper gefällt, dann soll es so sein. Wenn nicht, wird der Referendar vielleicht durch das Stationszeugnis zu einem Überdenken der eigenen Umgangsformen gebracht.
Ich habe -außer in der Verhandlung, die ich leiten durfte-, nur einmal in der mündlichen Verhandlung den Mund aufgemacht und das im Flüsterton, weil mein Ausbilder etwas entscheidendes vergessen hatte.