Anna-Lena bei Aldi.
Sonntag, 7. Dezember 2008 | Autor: Michael
Manchmal hab ich das Gefühl, dass junge Eltern mit ihren Kindern nur einkaufen gehen, um andere auch an ihrer Hilflosigkeit teilhaben zu lassen.
Samstag, bei Aldi. Schon beim Betreten höre ich ein lautes “Nein, Anna-Lena, lass das!” Um die nächste Ecke. Dann sehe ich sie. Sie schiebt den Einkaufswagen ihrer Mutter. Drinnen sitzt ihr kleines Brüderlein. Anna-Lena stellt fest, dass man mit einem Einkaufswagen mit Schwung durchaus Wirkung erzielen kann. Also donnert Anna-Lena den Wagen mit Schwung gegen den Klopapierstapel. “Anna-Lena, lass das!” ruft eine Frau in unmittelbarer Nähe. Das muss die Mutter sein. Anna-Lena lässt es. Um gleich danach alles Klopapier in ihrer Nähe – also: einen ganzen Stapel – in den Einkaufswagen zu stopfen. Bruder schreit. “Hör damit auf, Anna-Lena!” donnert Mutter. Anna-Lena guckt wütend. Nachvollziehbar. Man soll doch kleine Kinder nicht in ihrer kreativen Phase stören. Immerhin hatte Anna-Lena schon 8 Toilettenpapierlagen übereinander im Wagen gestapelt. Über Bruder allerdings auch. Ich versuche uninteressiert zu erscheinen und Anna-Lena zu passieren. Krawummm. Anna-Lena hat den Einkaufswagen nach rechts geschleudert. In meinen. Ich kam von rechts. “Pass doch auf, Anna-Lena!” ruft Mutter. Ich murmele was von “macht doch nix” und gehe weiter. Verspüre heftigen Schmerz in der Hacke. Anna-Lena grinst mich an. Dann dreht sie sich um und rast mit dem Wagen zu den Chips. Ca. 25 km/h, schätze ich. Mutter folgt mit ca. 20 km/h. “Bleib stehen, Anna-Lena!” Ja was denn. Tut sie doch. Sie ist mit Krawummmm in eine sorgfältig gestapelte Palette mit Ibu-Chips reingekracht. Hier ist erst mal Schluss. “Ich nehm dir jetzt den Wagen weg! Wenn du so weiter machst geh ich mit dir nie wieder einkaufen! Hast du gehört??” Müsste sie. Es gehört haben. Ich hab es nicht überhört. Auch der ganze Laden nicht. Mittlerweile starren alle Kunden in eine Richtung. Anna-Lena weint. Sie lässt den Wagen los und schlägt mit ihren Fäusten in die Ibu-Chips. Irgendwie wirkt sie erregt. Wütend geradezu. Mutter aber auch. Ob sie das von ihr hat? Mutter packt Anna-Lena. Diese wirft sich auf den Boden. Keine ungeschickte Strategie, denke ich, während ich meine Ware auf das Laufband lege. Als ich bezahle, liegt Anna-Lena noch immer auf dem Boden. Um sie herum Tüten von Chips. Und Chips. Anna-Lena brüllt wie am Spieß. Ich kann sie irgendwie verstehen. Mutter hatte ihr doch zu Beginn erlaubt mit dem Wagen da herumzukurven. Nun plötzlich will Mutter das nicht mehr. “Die kenn ich”, sagt der Kassierer zu mir und deutet, ohne hinzugucken, mit dem Daumen in Anna-Lenas Richtung. “Die kommt so einmal die Woche. Heute stehen immerhin die Pfirsichdosen noch.”


Ich finde es unglaublich erschreckend, wie buchstäblich überfordert die Mutter ist.
Ich mein, ich habe gut reden – so kinderlos. Aber mal Hand auf’s Herz, dass Verhalten der Kleinen verweißt doch auf eine mangelnde Aufmerksamkeit. Mal abgesehen davon, dass es Kindern an Kreativität nicht mangelt. Dennoch bleibe ich als Nicht-Psychologe bei der Theorie, dass der Verhalten des Kindes auf mangelnde Aufmerksamkeit als auch fehlende Auslastung zurück zu führen ist.
Naja, so lange die Dame nicht auch noch in der Öffentlichkeit ausgeholt hat – “geht’s ja noch” *augenroll*
Ist die Zerstörung des Ladens durch Kinder eigentlich mit in den Preisen einkalkuliert? Jetzt weiß ich auch warum alles immer teurer wird
Nomen est omen: Die Eltern konnten schon bei der Namensdiskussion nicht “Nein.” sagen und haben sich für eine Bindestrich-sowohl-als-auch-Variante entschieden. Das arme Kind weiß bis heute nicht, ob die Eltern meinen, was sie sagen.
Die Familie kommt mir übrigens bekannt vor. Aus “meinem” Aldi.
Wie war das noch gleich? “Schackeliiine, komm’ wech von die Regale du Arsch!”.
Hihi.
Kann man die Kleine nicht in den Wagen setzen? Vielleicht noch ‘n Gitter oben drauf schweissen …
Pah, selbst Schuld. Was schleppt sie die Blagen auch mit in den Laden. Die können auch auch im Auto warten, Fenster spaltbreit auf und gut. Grenzt ja an öffentliche Ruhestörung. Oder so.
Ich bin für Käfige. Da würde ich meine drei auch mit reinsetzen.
Manchmal können Grenzen auch was schönes haben, besonders für Einzelhandelsangestellte und gerade anwesende Kunden.
Den Bindestrich habe ich zugegebenermaßen nur vermutet. Wegen der langen Pause zwischen “ANNA … LENA!”
was gibt`s denn an Anna-Lena auszusetzen, das ist ein Uralter Name mit einer wunderschönen Bedeutung.
So lange ich auf dem Spielplatz von leuten wie euch hören muss “mein Jan-Luca machs sowas nicht” wo ihr dann zu Hause auf Frau und Kind eindrescht, geht ihr einem sowieso da vorbei wo die Sonne nicht hinscheint.
in einem Land wo man mit drei Kindern für asozial gehalten wird, obwohl man es sich sehr, sehr gut leisten kann…
Vielleicht hatte die Frau (oder Anna-Lena) nur nen schlechten Tag, oder Du selbst, wenn ich Streß hab` mag ich auch keinen Kinder…hast Du sie denn mal angesprochen, ob Du ihr helfen kannst, oder hattest Du dafür nicht die Eier, denk` mal darüber nach…ob Du`s wert bist über andere zu urteilen…