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Beim Blick in den Lauf einer Maschinenpistole…

Donnerstag, 15. Januar 2015 | Autor: Michael

Vor einigen Tagen war ich in der Türkei ohne Personalausweis und starrte in Maschinenpistolen.

In einem fremden Land und ich verstand – sorry – kein Wort außer Merhaba.

Die Hotelrezeptionäre hatten beim Einchecken den Fehler gemacht, meinen Ausweis einem anderen Mitreisenden zu geben (das allerdings stellte sich erst kurz vor der Abreise heraus). Bis dahin war er weg und so entschloss ich mich auf Rat der Botschaft, ein Passersatzpapier für die Ausreise zu beantragen. Erster Schritt: die örtliche Polizeistation, um den Verlust anzuzeigen (zwingend notwendig).

Mein türkischer Dolmetscher und ich passierten das schwer bewachte Tor. Man grüßte nicht, statt dessen sah ich in den Lauf von mehreren MPs. Einige türkische Worte meines Dolmetschers und wir waren drin. Wieder: ich verstand nichts, sah nur MPs. Nach kurzer Wartepause saßen wir in einem Raum mit einem Polizisten, der auf türkisch den Sachverhalt aufnahm. Gemeinsam mit seiner Freundin, einer MP latürnich.

Das Ganze dauerte eine Stunde und ich verstand nichts. Mein Dolmetscher sagte mir irgendwann wo ich zu unterschreiben hatte um den Zettel zu bekommen, den ich brauchte.

Ich war nicht Beschuldigter in einem Strafverfahren. Ich fühlte mich dennoch unwohl. Sehr unwohl. Ich gewann eine leise Ahnung davon, was ein Beschuldigter, dem in einem Land, in dem er die Sprache nicht versteht und daher erst recht nichts von dem Vorwurf, der ihm gemacht wird, ertragen muss, gerade dann, wenn die ganze Zeit über ihn und einen Sachverhalt geredet wird, zu dem er vielleicht dringend etwas zu sagen hat aber nicht kann. Dafür bedarf es dann nicht einmal irgendwelcher Blicke eines Polizisten, aus den man den Schluss ziehen kann, man sei eigentlich nur Gast im Land und würde nerven. Und keines Blickes in den Lauf einer MP. Menschenwürde geht anders.

Ich dachte an das, was zB Organisationen wie Fair Trials International bewirken, die zB eine qualifizierte und dauerhafte Dolmetscherleistung als unverzichtbares Menschenrecht in Ermittlungsverfahren einfordern und wie wichtig auch dieses Recht ist, genauso wichtig wie das Recht, jederzeit einen Verteidiger anrufen zu können.

Kurz vor der Abreise erhielt ich dann zufällig doch meinen Personalausweis zurück, war glücklich … und doch dankbar ob der gemachten Erfahrung.

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Thema: Rechtliches

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6 Kommentare

  1. 1
    egal 

    Den Personalausweis abzugeben müssen ist übrigens nicht mehr drin.

    § 1 PAuswG: “Vom Ausweisinhaber darf nicht verlangt werden, den Personalausweis zu hinterlegen oder in sonstiger Weise den Gewahrsam aufzugeben.”

    Zumindest beim neuen Personalausweis ist das Hinterlegen beim Hotel eine sehr dumme Idee

  2. 2
    Herbert Kolthoff 

    Dumm nur, daß das Passausweisgesetz kein Bußgeld für Verstöße gegen diese Vorschrift vorsieht. So bleibt der §1 PAuswG ein zahnloser Papiertiger.

  3. 3
    moep 

    Ja, lieber “egal”, zitieren Sie die Norm mal im Ausland. Glauben Sie im Ernst, das interessiert da jemanden? Ist in vielen Ländern normal, dass man Papiere hinterlegt.

  4. 4
    Daniel 

    @egal:
    Das Problem am PAuswG ist jedoch, dass es ein deutsches Gesetz ist und damit nur auf dem Boden der BRD gilt. Der Autor befand sich aber in der Türkei.

  5. 5
    John Doe 

    @egal:
    Wenig praxistauglicher Hinweis. Glauben Sie, der Blogautor hätte den Urlaub in dem von ihm gebuchten Hotel in der Türkei verbringen können, wenn er vor Ort dem türkischen Rezeptionisten unter Hinweis auf den deutschen § 1 PAuswG die Aushändigung verweigert hätte?

  6. 6
    Judgeyourself 

    Sie waren in einer Polizeistation und haben dort Maschinengewehre gesehen, die von Polizisten getragen wurden? Was ist daran unwürdig? Sie wurden komisch angeguckt?

    Was glauben Sie, wie sich ein Ausländer in Deutschland fühlt? Hier ist es genau so!

    Unnötiger Post….

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