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Archiv für die Kategorie » Menschliches «

Schnee und das Oberlandesgericht.

Donnerstag, 12. Februar 2009 | Autor: Michael

Dienstag, OLG Schleswig. Termin auf 9.30 anberaumt. Seit dem frühen Morgen fällt Schnee. Aus Hamburg und Schleswig-Holsteins tiefstem Südosten reisen an: zwei Anwälte, drei Parteien. Die Straßenverhältnisse sind grausam. Der Rechthaber sitzt um 7.00 Uhr im Auto.

9.25 Uhr in Schleswig. Parteien und Anwälte sind da. Alle schauen sich gleichsam verwundert an – sie haben es geschafft, trotz dicker Schneeflocken, Unfälle auf der Autobahn, 30 km/h zeitweise.

9.30 Uhr in Schleswig. Der Vorsitzende ruft die Sache auf. Wir sollen gleich sitzenbleiben. Der Wagen eines beisitzenden RIchters springt nicht an. Er soll jetzt mit dem Zug kommen, offenbar aus Kiel. Beginn der Sitzung: frühestens 10.15 Uhr.

Kommt vor, sicher. Schade nur, dass das Land offenbar nicht einmal genug Geld hat, den Beisitzer angemessen zu vergüten, so dass er sich ein fahrtüchtiges Auto leisten kann, dem Beisitzer eine Taxifahrt zu spendieren.

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Ich bin ein Rechtsverdreher.

Donnerstag, 5. Februar 2009 | Autor: Michael

Spätestens seit heute. Da hat mich nämlich im Termin (Nachbarsache – sic!) der Kläger so beschimpft. Nach vielen höhnischen und unfreundlichen Bemerkungen platzte ihm der Kragen, als das Gericht ihm sagte, mit seinen 4 Klaganträgen werde er nix und der Rechthaber hätte ausnahmsweise mal Recht.

Endlich. Das erste Mal seit all den Jahren wurde ich im Gerichtssaal beleidigt. Darauf hatte ich schon so lange gewartet. Wie schön. Ich fühle mich irgendwie … hm… erhaben. Oder so.

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Die personifizierte Öffentlichkeit.

Mittwoch, 4. Februar 2009 | Autor: Michael

Seit Jahren stoße ich bei meinen fast alltäglichen Besichtigungen des Landgerichts immer wieder auf denselben Herrn. Oft fragen die Mandanten, wer das denn sei. Also ich kenne ihn nicht. Obwohl er fast immer da ist, jeden Tag, von einem Saal zum anderen pendelnd. Ein bärtiger Herr, so geschätzte 50 – 55. Nein, keine Presse. Er stellt die Öffentlichkeit dar.

Als die Gerichtsshows dann aufkamen, dachte ich,  es wäre nun um ihn geschehen. Pustekuchen. Live ist eben doch spannender, wie beim Fußball. Also sitzt er hinten im Zuschauersaal, hört sich ödlangweilige Bausachen ebenso an wie spannendere Strafprozesse. Nie sagt er ein Wort, nie gibt er Zeichen von Sympathie, er zeigt eigentlich bei genauer Betrachtung null Reaktion. Mittlerweile dürfte er alle Richter in- und auswendig kennen, viele Anwälte ebenso. Ich frag mich ja manchmal, was an all diesen Verhandlungen so spannend ist… viele Sachen verlaufen auch im ruhigen Fahrwasser, ein schneller Vergleich, manchmal ohne Parteien… aber vielleicht ist das auch nur meine etwas routinierte Sichtweise der Dinge. Hm. Man sollte den Herrn mal zum bloggen anstiften.

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Entsorgt.

Donnerstag, 11. Dezember 2008 | Autor: Michael

Habe vorgestern offenbar die Fernbedienung für den Fernseher in die Mülltonne geworfen. Allerdings in die Papiermülltonne. K2 hat sie abends überall gesucht. Sie steckte zwischen den Zeitungen vom Dienstag.

Hat irgendwie eine gewisse Konsequenz. In dieser besinnlichen Vorweihnachtszeit hat sich die Fernsehzeit sowieso auf Null reduziert.

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Anna-Lena bei Aldi.

Sonntag, 7. Dezember 2008 | Autor: Michael

Manchmal hab ich das Gefühl, dass junge Eltern mit ihren Kindern nur einkaufen gehen, um andere auch an ihrer Hilflosigkeit teilhaben zu lassen.

Samstag, bei Aldi. Schon beim Betreten höre ich ein lautes “Nein, Anna-Lena, lass das!” Um die nächste Ecke. Dann sehe ich sie. Sie schiebt den Einkaufswagen ihrer Mutter. Drinnen sitzt ihr kleines Brüderlein. Anna-Lena stellt fest, dass man mit einem Einkaufswagen mit Schwung durchaus Wirkung erzielen kann. Also donnert Anna-Lena den Wagen mit Schwung gegen den Klopapierstapel. “Anna-Lena, lass das!” ruft eine Frau in unmittelbarer Nähe. Das muss die Mutter sein. Anna-Lena lässt es. Um gleich danach alles Klopapier in ihrer Nähe – also: einen ganzen Stapel – in den Einkaufswagen zu stopfen. Bruder schreit. “Hör damit auf, Anna-Lena!” donnert Mutter. Anna-Lena guckt wütend. Nachvollziehbar. Man soll doch kleine Kinder nicht in ihrer kreativen Phase stören. Immerhin hatte Anna-Lena schon 8 Toilettenpapierlagen übereinander im Wagen gestapelt. Über Bruder allerdings auch. Ich versuche uninteressiert zu erscheinen und Anna-Lena zu passieren. Krawummm. Anna-Lena hat den Einkaufswagen nach rechts geschleudert. In meinen. Ich kam von rechts. “Pass doch auf, Anna-Lena!” ruft Mutter. Ich murmele was von “macht doch nix” und gehe weiter. Verspüre heftigen Schmerz in der Hacke. Anna-Lena grinst mich an. Dann dreht sie sich um und rast mit dem Wagen zu den Chips. Ca. 25 km/h, schätze ich. Mutter folgt mit ca. 20 km/h. “Bleib stehen, Anna-Lena!” Ja was denn. Tut sie doch. Sie ist mit Krawummmm in eine sorgfältig gestapelte Palette mit Ibu-Chips reingekracht. Hier ist erst mal Schluss. “Ich nehm dir jetzt den Wagen weg! Wenn du so weiter machst geh ich mit dir nie wieder einkaufen! Hast du gehört??” Müsste sie. Es gehört haben. Ich hab es nicht überhört. Auch der ganze Laden nicht. Mittlerweile starren alle Kunden in eine Richtung. Anna-Lena weint. Sie lässt den Wagen los und schlägt mit ihren Fäusten in die Ibu-Chips. Irgendwie wirkt sie erregt. Wütend geradezu. Mutter aber auch. Ob sie das von ihr hat? Mutter packt Anna-Lena. Diese wirft sich auf den Boden. Keine ungeschickte Strategie, denke ich, während ich meine Ware auf das Laufband lege. Als ich bezahle, liegt Anna-Lena noch immer auf dem Boden. Um sie herum Tüten von Chips. Und Chips. Anna-Lena brüllt wie am Spieß. Ich kann sie irgendwie verstehen. Mutter hatte ihr doch zu Beginn erlaubt mit dem Wagen da herumzukurven. Nun plötzlich will Mutter das nicht mehr. “Die kenn ich”, sagt der Kassierer zu mir und deutet, ohne hinzugucken, mit dem Daumen in Anna-Lenas Richtung. “Die kommt so einmal die Woche. Heute stehen immerhin die Pfirsichdosen noch.”

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Noch´n Flug.

Sonntag, 30. November 2008 | Autor: Michael

Und dann, Samstag, endlich mal ein normaler Rückflug. Neben mir war ein Platz frei, alles war gut. Sanfter Start, sanfte Landung, in Ruhe gelesen, keine besonderen Vorkommnisse.

In Hamburg angekommen, am Laufband dann. Ich warte auf meine Reisetasche. Neben mir steht eine geschätzte Mittdreissigerin, ebenfalls aus Stuttgart gekommen und ebenfalls wartend. Sie zückt ihr Handy.

“Bin grad gelandet. Duuuuuuu kaaaaaaaannnnst dir nicht vorstellen was für ein Flug das war. Wiiiie in der Aaaachterbaaaaahn! Wir mussten die ganze Zeit über angeschnallt bleiben, so ein ´rauf und ´runter! … Ja, ehrlich! Der Käpt´n hat was von Turbulenzen…. was von Turbulenzen durchgesagt, ich bin fast mit dem Kopf gegen die Decke gestoßen …. ja, du glauuuuubst es mir nicht, das hab ich ja noch niiiiiiiiie erlebt! Nicki da kommt mein Koffer…ja, genau, du ich flieg niiiiiiiiiiie wieder! Die gaaaaaaaaanze Zeit angeschnallt! Wetter war doch nicht so schlecht, wenn ich das gewusst hätte… da ist mein Koffer warte (reißt ihren Koffer vom Laufband, stößt dabei einen anderen Koffer vom Laufband in den Inneraum der Bänder, nun unerreichbar) …sowas… das muss ich dir noch mal in Ruhe erzählen… (entfernt sich).

Nein, an der Anzeigetafel des Bandes steht meine Flugnummer und Stuttgart. Und da , etwas später, kommt auch meine Reisetasche. Auf demselben Laufband. Keine Zweifel mehr. Diese Dame saß in meiner Maschine. Nur weg hier. Offenbar halluziniere ich. Das sind die Anfänge. Zu viel Architektenrecht in 2 Tagen soll ja auch ungesund sein. Auf geht´s, zum Parkhaus. P5. Platz 3.27 habe ich im Kopf. Ich nehme die Treppe. Ein wenig Bewegung usw… Von oben. Eine Stimme. Kommt mir bekannt vor. Telefonierend. Sie kommt mir entgegen, die Treppe runter.

“Hab das Auto hier gaaaaanz sicher abgestellt, Bernie, renn hier schon seit Stuuuuuuunden herum und find es nicht… du hättest mich doch hinfahren sollen… wo ist das Scheißauto geblieben… ja was ruhig bleiben ich bin ruhig finde nur das Auto nicht..ich reg mich aber auf…” (verschwindet hinter Tür zur Ebene 2).

Ich öffne die Tür zur Ebene 3. 3.27. Uffz. Das Auto steht da. Puh. Ich hatte schon… Dennoch. 2 Tage Architektenrecht… genau, s.o.

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