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Cochemer Modell. Aus Sicht eines Kindes.

Donnerstag, 4. Juni 2009 | Autor: Michael

Liebe Mama und lieber Papa…

1. Vergesst nie: ich bin das Kind von euch beiden. Ich habe jetzt zwar einen Elternteil, bei dem ich hauptsächlich wohne und der die meiste Zeit für mich sorgt. Aber ich brauche den anderen genauso.

2. Fragt mich nicht, wen von euch beiden ich lieber mag. Ich habe euch beide gleich lieb. Macht den anderen also nicht schlecht vor mir. Denn das tut mir weh.

3. Helft mir, zu dem Elternteil, bei dem ich nicht ständig bin, Kontakt zu halten. Wählt für mich seine Telefonnummer oder schreibt mir die Adresse auf einen Briefumschlag. Helft mir zu Weihnachten oder zum Geburtstag ein schönes Geschenk für den anderen zu basteln oder zu kaufen. Macht von den Fotos von mir immer einen Abzug für den anderen mit.

4. Redet miteinander wie erwachsene Menschen. Aber redet. Und benutzt mich nicht als Boten zwischen euch – besonders nicht für Botschaften, die den anderen traurig oder wütend machen.
5. Seid nicht traurig, wenn ich zum anderen gehe. Der, von dem ich weggehe, soll auch nicht denken, dass ich es in den nächsten Tagen schlecht haben werde. Am liebsten würde ich ja immer bei euch beiden sein. Aber ich kann mich nicht in Stücke reißen – nur weil ihr unsere Familie auseinandergerissen habt.
6. Plant nie etwas für die Zeit, die mir mit dem anderen Elternteil gehört. Ein Teil meiner Zeit gehört meiner Mutter und mir und ein Teil meinem Vater und mir. Haltet euch konsequent daran.
7. Seid nicht enttäuscht oder böse wenn ich beim anderen bin und mich nicht melde. Ich habe jetzt 2 Zuhause. Die muss ich gut auseinanderhalten – sonst kenne ich mich in meinem Leben überhaupt nicht mehr aus.
All dies und viel mehr findet man hier:
http://www.ak-cochem.de/images/stories/dokumente/20_bitten_von_kindern.pdf 
 

 

 

 

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Thema: Eheliches

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15 Kommentare

  1. 1
    Antje 

    Oh mein Gott, das geht einem ja wirklich an die Nieren! Sehr gut, das hätte ich (= Mutter) früher auch gerne gehabt und mir übers Bett gehängt …

  2. 2
    ballmann 

    seufz
    Diese Wunschliste verteile ich schon länger an streitende Eltern http://ballmann.wordpress.com/2009/03/03/was-sich-kinder-von-getrennten-eltern-wunschen/

    Nützen tut es wenig.

    Noch keiner hat in der Sitzung Widerspruch erhoben. Manch einer hat ein Tränchen verdrückt.

    Dann gehen sie nach Hause – und machen das Gegenteil

    seufz

  3. 3
    Michael 

    Ja Antje. Tissues needed.

    Und Herr Ballmann, ich hatte ihren wunderbaren thread damals gar nicht gesehen. Das war meine.. nun.. äh.. bloglose Zeit.:-)

  4. 4
    Biggi 

    schade. Schade, dass es nicht immer so läuft wie bei meinen Eltern.
    http://www.mehralstext.de/index.php/blog/ideen/ostern-2009/

    manche Eltern haben eben nicht verstanden, was es _wirklich_ bedeutet, Eltern zu sein. Da gehen persönliche Eitelkeiten über alles. ziemlich charakterlos.

  5. 5
    Michael 

    Die.. offenbar in deinem thread sogar noch kommentiert haben (deine Eltern)… Respekt, Biggi!

  6. 6
    Biggi 

    nicht beide Eltern haben kommentiert, nur meine Mutter. Alex ist meine Schwester Alexandra. :-)

  7. Mir ist Scheidungskind treibt es die Tränen in die Augen. Auch noch nach 30 Jahren Trennung sitze ich zwischen den Stühlen. Wenn ich EINS mal besser machen will, dann das.

  8. Fragen die mich zu dem Text beschäftigen:

    - Geht es ohne gemeinschaftliches Konzept von Würde?
    - Kann man eine derart große Lebensgemeinschaft, wie die unsere, ohne eine gemeinverbindliche wie verlässliche Definition dessen überhaupt aufrechterhalten?
    - Ist die Vater- wie die Mutterschaft nicht vielmehr eine Funktion, als ein biologisches Erbe?
    - Könnte es sein, dass das ganze Konzept einer christlichen Familiengemeinschaft, nicht mehr in die “moderne” Antifamiliengesellschaft passt?
    - Ist das alles nicht viel eher ein Kampf der Gesellschaftskonzepte?
    - Wie viel Vater, Wie viel Mutter kann ein Mensch denn noch sein, der täglich 10 bis 12 Std. erwerbstätig sein muss (An- und Abfahrt bereits inkludiert)?

    Für falsches Fahrverhalten, werden die Bürger vom System teils empfindlich abgestraft, aber dem eigenen Nachwuchs das Dasein zu Versauen nennen wir dann Freiheit, ein übler Moralist der dies vergleicht!

    Kaum ein Mensch denkt an den Nachwuchs. Mittlerweile sehe ich das (bedingt durch Ehrenamt) fast täglich. Wir wachsen mit unseren Herausforderungen ;-)

    Wie war das gleich?:

    “Wenn jeder an sich selber denkt, ist auch an jeden gedacht!”

  9. 9
    Regine Heidorn 

    Sich so zu verhalten, dass man diesen berechtigten Wünschen gerecht werden könnte, das setzte von Eltern voraus, sich mehr, respektvoller und intensiver miteinander zu beschäftigen, als es vermutlich jemals in der Beziehung überhaupt möglich war.
    Schließlich trennt man sich, weil das nicht möglich war.

    Eine andere Frage wird auch berührt: so nachvollziehbar und wichtig diese Wünsche sind, wenn es besser ist, dass die Eltern getrennt leben, können sie sich nicht von den Wünschen der Kinder bestimmen lassen, wenn das bedeuten würde, eine gerade möglicherweise mühsam errungene Trennung aufzuweichen. Dann lieber konsequent getrennt und zugeben, dass manche dieser Bedürfnisse einfach nicht erfüllbar sind. Auch das gehört zu einer stabilen Erziehung.

  10. @Regine: “…..können sie sich nicht von den Wünschen der Kinder bestimmen lassen, wenn das bedeuten würde, eine gerade möglicherweise mühsam errungene Trennung aufzuweichen. Dann lieber konsequent getrennt und zugeben, dass manche dieser Bedürfnisse einfach nicht erfüllbar sind.” Zitat Ende.

    Es ist eine Sache, als Paar konsequent getrennter Wege zu gehen. Ich wiederhole mich ungern, aber ich als Scheidungskind habe schmerzhaft erfahren, wovon hier die Rede ist. Es geht nicht (mehr) um die Paarbeziehung. Wenn man sich für ein Kind entscheidet, dann übernimmt man auch die Verantwortung für sein Seelenheil in den Punkten, in denen man es beeinflussen kann. Und das kann man nun mal im Umgang miteinander. Und diese Wünsche von Kindern sind zu respektieren! Das hat mit “bestimmen lassen” nichts zu tun. Man kann dann immer noch konsequent getrennt leben.

    Das gehört zu einer stabilen Erziehung: Vorbild sein.

  11. 11
    Regine Heidorn 

    Ich als Scheidungskind fand es sehr angenehm, nicht der Grund dafür sein zu müssen, dass meine Eltern miteinander Kontakt haben könnten.
    So sind die Wünsche jeden Kindes anders. Alle Kinder wollen gerne Harmonie haben, mir wäre es lieber gewesen, die Beziehung hätte funktioniert. Hat sie aber nicht und das passiert. Und genau da sind die Grenzen, wo es vorbildlicher ist, als Eltern zu seinem Scheitern zu stehen, als eine Harmonie vorzuspielen, die nicht da ist.
    Das bedeutet mitnichten, die Bedürfnisse von Kindern verantwortungslos zu vernachlässigen.

  12. 12
    Schokokeks 

    Ich bin leider im Moment in der Situation, dass ich in Trennung von meinem Mann lebe. Für mich war irgendwie klar, dass unser Sohn mit zu mir kommt. Nur mein Mann stellt sich quer. Ich arbeite halbtags, habe die ganzen Jahre (mein Sohn ist 9) für ihn gesorgt, weil mein Nochmann volltags berufstätig ist. War für selbstverständlich! Is ja schließlich mein Sohn! Nur jetzt versucht mein Nochmann mir meinen Sohn wegzunehmen. Ich weiß echt nicht was ich machen soll. Mein Sohn ist auch völlig durcheinander! Er möchte uns beide haben, was aber definitiv nicht mehr (zumindest zur zeit) nicht möglich ist. Wir können einfach nicht mehr miteinander reden. Was in der jetzigen Situation aber auch nicht sehr verwunderlich ist!

    Ich sitzt hier vorm PC und heule grad wegen dem “Brief an die Eltern”. Mein Sohn tut mir sooooo leid. Was kann ich denn noch tun? Kann mir vielleicht jemand einen Rat geben?

  13. Liebe Frau Schokokeks,

    zunächst einmal möchte ich Ihnen sagen, dass mir Ihre Situation sehr leid tut. Ich wünschte, es wäre nicht so schmerzhaft für Sie.

    Einen Tipp habe ich für Sie: Auch wenn Sie im Moment nicht mit Ihrem Mann reden können, zeigen Sie ihm “den Brief an die Eltern”. Vielleicht bringt ihn das dazu, darüber nachzudenken, was das Gezerre an ihrem Sohn für diesen bedeutet.
    Bereiten Sie Ihren Sohn vorsichtig darauf vor, dass er vermutlich irgendwann gefragt wird, zu wem er lieber möchte.
    Und vielleicht wäre ein Mediationsgespräch oder eine andere Art der Beratung möglich. Etwas, das Ihnen dreien sicherlich helfen kann, verantwortungsvoll mit der Trennung und Ihrem Sohn umzugehen.

    Ich drücken Ihnen die Daumen und schicke Ihnen meine guten Gedanken.

    Tina

  14. 14
    Hagen 

    Die Wünsche der Kinder sind aufrüttelnd und eine hilfreiche Motivation, das eigene Verhalten in einer Trennungssituation zu beobachten und positiv zu gestalten.
    Kinder haben Anteile von Mutter und Vater. Trennung bedeutet, dass der jeweils andere Teil abgelehnt wird. Das ist ein offensichtlicher Fakt, den auch das Kind wahrnimmt. Im Unterschied zu einer fortbestehenden Partnerschaft kann das Kind in getrennten Verhältnissen nicht am Vorbild seiner Eltern lernen, wie unterschiedliche Persönlichkeiten doch in einer partnerschaftlichen Beziehung miteinander leben können. Dieses Defizit ist wahrscheinlich nicht zu ändern. Aber ein Kind kann erfahren, dass Mutter und Vater auf der Sachebene durchaus kommunizieren können und dadurch die ihm nun einmal natürlich gestellte Aufgabe leichter lösen, mütterliche und väterliche Anteile in sich miteinander zu versöhnen. Die Aufgabe von Mutter und Vater in der Trennung wird also sein, zu einer versöhnten sachorientierten und vielleicht auch reduzierten beziehungsorientierten Kommunikation zu kommen.Ich denke, dass die Liebe zum eigenen Kind die dazu benötigten Fähigkeiten bei den Eltern fördern wird – vielleicht nicht von jetzt auf gleich von 0 auf 100%, aber doch mit wachsender Tendenz. Wichtig ist, dass sich die Eltern für diese Option entscheiden und daraufhin arbeiten – vielleicht auch entsprechende Hilfen in Anspruch nehmen. Hilfreich ist auch, dass die Kinder intakte Beziehungen – z.B. Großeltern oder befreundete Familien – erleben und so die begründete Hoffnung aufbauen, dass sie die mütterlichen und väterlichen Anteile in sich selbst miteinander versöhnen können und nicht gespalten bleiben müssen. Schließlich sind sie ja mehr als die Summe von Mutter und Vater.
    Ich glaube, dass es sich lohnt, in diese Richtung für die Kinder an sich selbst zu arbeiten und durch Rückschläge sich nicht mutlos machen zu lassen.

  1. [...] gibt eigentlich nur das “Cochemer Modell”. Besonders weil hier endlich auch einmal das Wohl des Kindes nicht nur Lippenbekenntnis ist, sondern tatkräftig ernstgenommen [...]

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