Home

Der plaudernde Verteidiger des Herrn Breivik

Dienstag, 26. Juli 2011 | Autor: Michael

Geir Lippestad ist der Verteidiger des Menschen, der vor wenigen Tagen mindestens 76 Menschen tötete und viele mehr verletzte.

Man kann sicherlich darüber nachdenken, ob man als Anwalt ein solches Mandat führen will, soll oder muss. Jeder Mensch hat einen Anspruch auf eine ordnungsgemäße Verteidigung, auch der Herr Breivik. Allerdings kann man heftiger darüber nachdenken, ob der Kollege Lippestad dem öffentlichen Druck gewachsen ist, der auf ihn denknotwendig gerade einprasselt – glaubt man dem, was die Medien melden:

Die BZ etwa weiß zu berichten, dass Breivik auf dem Weg zum Haftprüfungstermin mehrfach andeutete, erschossen zu werden. Quelle: Kollege Lippestad.

Andere Quellen berichten, Lippestad halte seinen Mandanten für geisteskrank – sollte Breivik sich dieser Argumentation nicht anschliessen, so müsse “er sich einen anderen Anwalt suchen.”

Auch in Norwegen gilt die Verschwiegenheitsregelung für Rechtsanwälte (advokatforskriften vom 20.12.1996) , die gewiss auch dem Kollegen Lippestad in Fleisch und Blut übergegangen sein sollte. Erklären liessen sich die für einen Strafverteidiger unsäglichen Fehltritte nur dann, wenn der Herr Breivik ihn von der Verpflichtung zur Verschwiegenheit entbunden hätte. Nur: ein Mandant, den der eigene Verteidiger für geisteskrank hält, kann auch nicht wirksam rechtsgeschäftliche Erklärungen abgeben – und mithin erst recht keine Entbindung von der Verschwiegenheitspflicht gerade gegenüber Presseorganen.

Und dazu passt dann auch die Äußerung, der mutmassliche Massenmörder möge sich einen anderen Anwalt suchen, wenn ihm das Verteidigungskonzept nicht passe. Das jedenfalls wird gewiss kaum mit dem Mandanten abgestimmt worden sein.

Auch ein offenkundig geistesgestörter Verbrecher, der schlimmste Straftaten begangen hat, hat einen Anspruch auf ein faires Verfahren, mag man das nun wollen oder nicht.  Zu einem fairen Verfahren gehört auch ein Verteidiger, der trotz des enormen Druckes durch Presse und Öffentlichkeit zunächst einmal schlichtweg die Klappe hält.

Tags »

Trackback: Trackback-URL | Feed zum Beitrag: RSS 2.0
Thema: Berufliches, Rechtliches, Unmenschliches

Diesen Beitrag kommentieren.

9 Kommentare

  1. 1
    Tina 

    War mir auch schon aufgefallen, wie der gute Herr Anwalt da über seinen Mandanten plaudert und lästert. Bei n-tv läuft da in etwa 2 Minuten momentan unter anderem das hier durch: “Ich bin Mitglied der Arbeiterpartei”, “Anwalt gibt Einblick in Breiviks Einsichten”, “Anwalt: Breivik sieht sich als ‘Krieger’”, “Breiviks Anwalt rechnet mit ‘sehr langem Prozess’”, “Anwalt: Breivik sehr kalte Person”, “ANWALT MIT DETAILS ZU ATTENTÄRER BREIVIK” (sic, die Großbuchstaben stehen da!). Weia.

    Also das ist kein Pflichtverteidiger, nein? Deshalb distanziert er sich auch gleich von dem Mandat, damit jeder weiß, dass er’s nur beruflich macht, das mit dem Verteidigen von Verbrechern, deren Vorgehen er nicht so richtig gutheißt? Sehr sehr merk- und denkwürdig!

  2. 2
    Michael 

    Ja, es wird offenbar immer schlimmer. Und egal ob Pflichtverteidiger oder nicht – auch dann hätte er die Verschwiegenheitspflicht.

    Er sollte mal fein ganz schnell das Mandat niederlegen. Fixfix.

  3. 3
    Britta 

    Ja, das habe ich auch schon gedacht heute. Und mich gefragt, wie viel der tatsächlich gesagt hat und wie viel ihm angedichtet wurde.

  4. 4
    Tina 

    Ich hab ihn grad gesehen und gehört, den Verteidiger. Der hat wohl auch gleich gesagt, als der Anruf kam, dass der Fall für ihn eigentlich zu schwierig sei.

  5. 5
    MaM 

    Zur Verteidigung in medialisierten Fällen gehört auch PR; es ist doch ganz offensichtlich, dass der Verteidiger gerade den Boden für seine Verteidigungslinie in der Hauptverhandlung bereitet. Ihm ohne nähere Kenntnis pflichtwidriges Handeln vorzuwerfen, ginge zu weit. M. E. nimmt er das Recht des Angeklagten auf wirkliche und effektive Verteidigung wahr, dazu gehört in unseren Zeiten auch Kontakt zu den Medien.

  6. Ganz Recht, die Schweigepflicht wird hier ganz offensichtlich nicht genügend beachtet – sicherlich auch wegen des in diesem Fall außerordentlich starken Informationsbedürfnisses der Öffentlichkeit. Es ist allerdings eine gerade unter den bekannteren Anwälten in Norwegen stark verbreitete Unsitte, über die Medien zu prozessieren, was den Interessen der Mandanten in der Regel weniger dienlich ist…

  1. [...] dem Tag nach der Tat übel auf, wie sich der Verteidiger von Breivik, Geir Lippestad positioniert. Dabei scheine ich mit meiner Meinung auch nicht so alleine zu sein. Man kann ihn natürlich rein menschlich verstehen. Rein fachlich allerdings nicht. Ganz offenbar [...]

  2. [...] Geschwätziger Verteidiger [...]

  3. [...] Beiträge zum Attentat in Norwegen, vgl. hier, hier und [...]

Kommentar abgeben

google