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Diebstahl – für immer unbestraft

Donnerstag, 9. Februar 2012 | Autor: Michael

Eine Mandantin leidet unter einem, wie der Sachverständige es nennt, demenziellen Abbauprozess.

Sie betritt einen Supermarkt, legt nach und nach ein oder zwei Sachen in ihren Einkaufskorb, und verlässt den Markt – ohne zu bezahlen -  wieder durch den Eingang, stellt den Korb zurück an den Sammelplatz, geht zum Bäcker, kauft ein Brot, geht dann zu dem schon weggestellten Korb, nimmt die Sachen heraus und verlässt den Supermarkt mit den Sachen und dem gekauften Brot.

An der Tür vom Hausdetektiv angehalten, bestreitet sie, die Ware nicht bezahlt zu haben. Sie ist sicher, die Ware an der Kasse bezahlt zu haben. Details erinnert sie nicht.

Tatsächlich ist die Mandantin, erst Mitte fünfzig, mittlerweile etwas dement.  Auch der Psychiater gelangt  zu dem Ergebnis,  es sei nicht auszuschließen, dass die Mandantin das nicht mehr erinnert und daher schuldlos gehandelt hat.

Das Bundeszentralregister weist eine Vielzahl von Eintragungen auf – wegen Ladendiebstahls.  Vor der Begutachtung gab es auch schon Freiheitsstrafe “pur”.

Nun jedoch scheint sich das Blatt zu wenden. Übrigens auch für die Supermärkte im hiesigen Umfeld. Sollte sie wegen Schuldunfähigkeit im nächsten Verfahren freigesprochen werden, kann sie umsonst einkaufen gehen, solange ihr (trauriger!) Zustand das zulässt.

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Thema: Allgemein, Essbares, Rechtliches

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4 Kommentare

  1. 1
    Stephan 

    wie wärs denn dann mit Hausverbot, oder kann sie das dann auch straflos übertreten?
    Und hab ich nicht mal irgendwann gesagt bekommen
    “Unwissenheit schützt vor Strafe nicht”
    Wenn ich also dereinst Dement bin gehe ich kostenfrei einkaufen, vergesse die Straßenbahnkarte zu lösen und wenn ich mal wieder nicht daran gedacht habe die Miete zu überweisen bleibt auch der Vermieter auf seinem Schaden sitzen?

  2. 2
    Malte S. 

    Wenn die gute Dame dement ist und das angesprochene Hausverbot vergessen hat, dann handelt sie bei dem erneuten Betreten ohne Vorsatz. Hausfriedensbruch ist aber eine Vorsatzstraftat.

    Und der Merksatz bezieht sich auf die Unkenntnis der Verbotsnorm, nicht die Unkenntnis der tatsächlichen Umstände – obwohl der BGH hier teilweise schon sehr weit geht.

  3. 3
    Andy 

    Und wenn der Supermarkt wirklich kundenfreundlich ist, und schon weiß, dass die Dame dement ist, spart er sich das Hausverbot und leitet die Dame durch seine Mitarbeiter an, die Waren zu bezahlen.

  4. 4
    AndiG 

    Umsonst einkaufen kann sie natürlich nicht (§985 BGB, ggf. §§812, 818 II BGB), sie kann auch nicht straflos einen Diebstahl begehen. Sie wird einfach nur deshalb nicht bestraft werden, weil sie den Tatbestand nicht erfüllt. Und das sollte in einem Rechtsstaat ja wohl selbstverständlich sein.

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