Home

Digitale Diktiergeräte und Vergleichsquote.

Freitag, 6. Februar 2009 | Autor: Michael

Gut. Wenn man sie erst verstanden hat, dann machen diese Geräte Sinn. Und entlasten. Wenn man nicht, wie ich gestern abend/nacht, auf einen falschen Knopf drückt, zufällig. Grrr.

Aber schlimm ist folgende Kombination: eine junge Proberichterin/ein junger Proberichter – technisch noch unbegabt unvertraut – mit diesem Gerät in der Sitzung ; noch schlimmer: in der Beweisaufnahme. Vor wenigen Tagen kam es so fast zu einem Zwangsvergleich. Nachdem die junge, sehr nette Proberichterin sich mit dem Gerät ca. 5 Minuten vertraut gemacht hatte, nahm sie die Anwesenheit der Erschienenen zu Protokoll auf. Dachte sie jedenfalls. Drauf war nix. Wie später festgestellt. Also alles nochmal. Meinetwegen. Nach ca. 20 Minuten hätte es dann losgehen sollen, Beweisaufnahme, 3 Zeugen, diverse Beweisthemen. Vergleichen wollte sich ja keiner so wirklich.

Aber als dann klar wurde, dass die Beweisaufnahme mit der netten Dame und dem Gerät so sicherlich 8 Stunden gedauert hätte (günstig geschätzt) und der Rechthaber von rechts schon panische Blicke erhielt, schnappte sich der Rechthaber seinen Mandanten, ging mit ihm auf den Flur, um dann nach einem Gespräch zurückzukehren und noch was draufzupacken, finanziell. Und flugs wurde der Vergleich geschlossen.

Nein. Nicht flugs. Für das Abdiktieren des 4zeiligen Vergleichstextes brauchte die nette Dame dann auch – incl. Vorspielen des Vergleichs – nochmal so 10 Minuten.

Und ich hab irgendwie das Gefühl, dass sie stolz darauf ist, wie fein sich die Parteien bei ihr verglichen haben.

Tags » «

Trackback: Trackback-URL | Feed zum Beitrag: RSS 2.0
Thema: Berufliches

Diesen Beitrag kommentieren.

12 Kommentare

  1. 1
    Brandau 

    Ich sehe schon, wie sich Richter nach dem Lesen dieses Artikels möglichst komplizierte Diktiergeräte zulegen, um die Vergleichsquote zu erhöhen ;-)

  2. 2
    Michael 

    Stimmt. Ich lösch ihn, ich lösch ihn. :-)

  3. 3
    ballmann 

    sehr gut Herr Brandau, sehr gut

    Sie denken mit.

    In meiner Referendarzeit, so kurz nach dem Krieg, gab es Diktiergeräte, in denen eine Art Schallplatte bespielt wurde. Das Tückische war, dass der Löschknopf sich auf der Oberseite dieses Gerätes (ohne jede Schutzvorrichtung) befand.
    Ich habe es miterleben müssen, wie ein ausgewachsener Vorsitzender Richter am OLG es mit “geschicktem” Umräumen eines Aktenstapels von rechts nach links fertig gebracht hat,den kompletten Sitzungstag (09.00 – 15.00)zu löschen.
    Wir Ref. mussten dann Gedächtnisprotokolle schreiben

  4. 4
    doppelfish 

    Also nicht einfach “v. u. g.” sondern “v. v. u. v. g.” (vorzuspielen versucht und versehentlich gelöscht).

  5. 5
    Brandau 

    @doppelfish
    vorgespielt wurde ja

    @ballmann
    Wurden die denn auch als Gedächtnisprotokolle verschickt oder einfach als die in der Sitzung diktieren Protokolle ausgegeben?

  6. Das geht beim Amtsgericht Berlin-Wedding (Man erinnere sich: “Berlin ist arm, aber sexy.”)ganz anders.

    Dort gibt es

    - weder eine/n Protokollführer/in

    - noch ein Diktiergerät.

    Die Richterin hat die Aussagen der vernommenen Zeugen in perfektem 10-Finger-System selbst in den Computer gehackt.

    Gefahr erkannt – Gefahr gebannt.
    ;-)

  7. 7
    Aquii 

    Es wird langsam Zeit, das Ganze dann auf Video aufzunehmen und dann im stillen Kämmerlein auszuwerten. Vielleicht sollte sowas gleich per Videokonferenz verhandelt werden. Spart bestimmt enorm.

  8. 8
    das Miest 

    Ach ja, die guten, alten Zeiten der Protokollführerinnen. Da scheint ein ganzer Berufszweig ausgestorben bzw. wegrationalisiert zu sein…

  9. 9
    spatzi 

    Wie ich als Proberichterin den Umgang mit dem Diktiergerät gelernt habe, werde ich nie vergessen:
    Ich war wild am diktieren, da sagt ein Rechtsanwalt (Typ englischer Gentleman): “Moment mal, sie müssen da reinreden” und zeigt mir das Mikro. Ich war zwar zuerst konsterniert, hab aber dann gecheckt, was er meint. Und nein, es gab in der Verhandlung keinen Vergleich. Und vorher hatte es auch funktioniert. Und ich halte immer noch sehr viel von dem Anwalt. Jetzt bin ich Betreuungsrichterin. Und schreib die Protokolle von Hand (leserlich!). O tempora, o mores!

  10. 10
    Subsumtionsautomat 

    So ein Plattendiktiergerät fand ich neulich nach dem Umzug in ein neues Dienstzimmer in einem Schrank vor. Bis mir jemand erzählt hat, worum es sich handelte, habe ich mich noch gewundert, welcher meiner Zimmervorgänger im Büro Schallplatten gehört hat…

  11. 11
    Susi 

    Früher wurde auf Platte diktiert? Ist ja unglaublich!

  12. 12
    ballmann 

    ja das Ding sah so aus:
    http://www.technikschrott.de/Assmann_Universa.htm

    oben der rechte von den beiden Knöpfen ist der Löschknopf

    @ Brandau Ich weiß es nicht mehr. Ich meine, er hat es uns verheimlicht

Kommentar abgeben

google