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Einsichten. Nicht nur in Bebauungspläne.

Dienstag, 3. Februar 2009 | Autor: Michael

Zu den Aufgaben des Rechthabers gehört es auch, bei Gemeinden in die ausliegenden Bebauungspläne bzw. -entwürfe einzusehen.

Bei einer der umliegenden Gemeinden ist dies immer ein besonderes Erlebnis. Gar nicht mal aus juristischen Gründen – mittlerweile weiß ja sogar ich, dass die Bebauungspläne bzw. Planentwürfe nicht dort aushängen, wo in der amtlichen Bekanntmachung angegeben (Zimmer 10), sondern immer ein paar Zimmer weiter um die Ecke im Flur herum (irgendwie muss man ja mögliche Verfahrensfehler schaffen…). Nein, aus anderen Gründen. Diese eine bewusste Gemeinde ist für gewisse Besonderheiten bekannt.

Einmal, Jahre her, ich starrte wieder auf irgendwelche Planzeichen, kopierte eine Mitarbeiterin der Gemeinde am damals noch in der Nähe stehenden Kopiererer sicherlich wichtige Unterlagen. Als ich kurz darauf nochmals mit einem Auge zum Kopierer guckte, war sie nicht mehr allein. Daneben stand der Herr Bürgermeister. Und der stand sehr eng neben der Dame. Sehr eng. Dies gilt auch für die eine Hand des Herrn Bürgermeisters.

Ein anderes Mal, noch zu Zeiten desselben Herrn Bürgermeisters, rannte eine andere Mitarbeiterin weinend an mir vorbei, verfolgt von dem Herrn Bürgermeister, er mit rotem Kopf und heraustretenden Halsschlagadern. Sie schloß sich im Zimmer ein.

Dagegen war es vorgestern eher langweilig. Die Gemeinde hat mittlerweile auch einen neuen Bürgermeister. Die Fraktionen und die Bürger der Gemeinde waren sich einig. Sie wollten den alten nicht mehr. Hinzu kamen strafrechtliche Vorwürfe gegen den alten Bürgermeister. Der Neue ist noch nicht lange im Amt, hatte also auch keine Zeit sich zu “profilieren”. Aber die Stimmung unter den Mitarbeitern wirkte gelassener. Im benachbarten Zimmer (Tür war auf) unterhielten sich zwei Beamte 30 Minuten lang ausführlich über den Trümmerbruch des einen Beamten, den dieser vor Jahren erlitten hat. Gegenüber diskutierte eine Mitarbeiterin mit ihrer Kollegin, wer als nächster in das Dschungldings sollte. Auch 30 Minuten lang. Wichtige Dinge eben.

Aber der Bebauungsplanentwurf, der hing wieder mal nicht im Zimmer 10, sondern sonstwo. Zimmer 10 war dunkel. Und abgeschlossen. Some things remain.

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Thema: Allgemein

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Keine Kommentare

  1. 1
    Ulla 

    Tja, in den deutschen Amtsstuben geht’s rund. Wie im RICHTIGEN Leben eben.
    Ich weiß gar nicht, was die Leute gegen die Beamten haben, die tun doch nix.

  2. 2
    ballmann 

    Die Bedeutung der Aussage “der tut doch nix” ist im Hinblick auf das Bezugsobjekt variabel
    vgl. http://der-rechthaber.de/index.php/2009/01/wir-arbeiten-daran-er-ubt-noch/

  3. 3
    doppelfish 

    Die Pläne liegen übrigens seit Jahren in einem falsch beschrifteten Schrank im Keller des zuständigen Amtes auf Alpha Centauri aus.

  4. 4
    Buck 

    Ah, der Aktenschrank in einem umgewidmeten Toilettenraum mit dem Türaufkleber “Beware of the Lepard!” ?

    … makes no difference, the Vogons are going to show up any day now …

  5. Ich wundere mich immer, dass bei den ganzen B-Plänen nie die Uhrzeiten angegeben werden, zu denen sie eingesehen können. Ich glaube nicht, dass die “üblichen Geschäftszeiten” überall die gleichen sind.

    Und nichts gegen interplanetarische Umgehungsstraßen, Doppelfish und Buch.

  6. 6
    BFreith 

    Ich frag mich, ob dass wohl Herr K. aus B. war. Mh…

  7. 7
    Michael 

    Doch doch, hier in den amtlichen Bekanntmachungen stehen schon Zeiten drin, weltdeswissens. Für Verfahrensfehler spannend ist dann immer die Frage: Hat das Rathaus wirklich um 13.00 Freitag mittags noch auf oder schließt es schon um 12.58? Ha.

    Nun, Frau investigative Journalistin, diese Frage bleibt hier unbeantwortet. :-)

  8. 8
    BFreith 

    Über alles Andere wäre ich auch enttäuscht gewesen.

  9. 9
    skugga 

    Warum hats mich jetzt – insbesondere bei doppelfish – nicht gewundert, dass ausgerechnet dieser Gedanke aufkam? :-)

    Handtuch gefällig?

  10. 10
    Aquii 

    und was sollte der alte Bürgermeister nun gemacht haben?

  11. 11
    Michael 

    Ach, so Dinge, die der normale Mann definitiv nicht tut. Aber das Verfahren ist dann eingestellt worden; da gab es auch so gewissen Komplikationen, wie man hörte. Uh.

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