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Fachjargon.

Montag, 29. Dezember 2008 | Autor: Michael

Juristen reden für normale Menschen regelmäߟig nur unverständliches Blabla. Und sie sind auch nicht bereit, dies zu ändern.

Noch renitenter sind allerdings die Ärzte. Wer hat sich nicht schon durch Arztberichte durchgekämpft, bei denen man jedes zweite Wort im Psychrembel nachlesen durfte (und so Stunden für ein paar Seiten brauchte).

Eine andere Frage ist allerdings, ob die Fachsprache dazu führen muss, Menschen durch Verwendung gewisser Begriffe herabzuwürdigen. Die Krönung des heutigen Vormittags war folgender Text eines Gutachtens:

Bei Frauen im reproduktionsfähigen Alter, vor der Menopause sind neben gutartigen und bösartigen Neubildungen auch regelmäߟig Funktionszysten … vorhanden.

Das musste ich zweimal lesen. Reproduktionsfähiges Alter. Googelt man diesen Begriff, so stellt man fest, dass er durchaus zum Standardrepertoire gehört, wenn es um Fortpflanzung geht. Es geht also um Reproduktion. Heißt für mich eigentlich “Wiederherstellung”. Frauen erreichen also ein Alter, in dem sie sich wiederherstellen können. Kann nicht gemeint sein. Nein, sie erreichen ein Alter, in dem sie quasi ihr Abbild wiederherstellen können. Auch komisch. Egal. Bei Medizinern werden jedenfalls Kinder produziert. So… wie auf dem Laufband eben. Verfassungsrechtlern dreht sich bei dieser Diktion der Magen um. Menschenwürde und Objekt und so. Hm. Klingt irgendwie, als hätte sich ein Mann diese Terminologie ausgedacht. Aber guckt man sich Jopie Heesters an, sind Männer ja wohl noch bis 105plus reproduktionsfähig.

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Thema: Unmenschliches

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Keine Kommentare

  1. 1
    Susi 

    Also, ich verstehe sofort, was hier gemeint ist. Aber ich bin ja auch Texterin und weiblich. Aber wirklich schlimm finde ich das Wort “Funktionszysten” … ;-)

  2. 2
    Michael 

    Geht doch auch nicht um´s Verstehen, sondern um die Diktion, Frau Texterin.

  3. 3
    Susi 

    Hab’s schon kapiert. :-) Aber für mich ist “reproduktionsfähig” relativ “normal” (Gewöhnungseffekt!!!! ;-) . Anders als die “Funktionszyste”. ;-)

  4. 4
    Michael 

    Du willst also sagen, dass du dich spätestens mit der Produktion von k3 wie auf einem Laufband gefühlt hast. Nun gut…

  5. 5
    Susi 

    Nein, wie auf dem Laufbahn habe ich mich dabei nie gefühlt. LOL

    Eher wie am Band – aber auch der Vergleich hinkt, doch. :-) ))

  6. 6
    ballmann 

    Erinnert mich an Robert Lemkes “Was bin ich ?”
    Guido (der Fuchs)hat den prominenten Gast immer gefragt: “Sind Sie produzierender oder reproduzierender Künstler ?”

    Aber: Welche Funktion haben Funktionszysten ?

  7. 7
    Michael 

    Ach ja, der Guido. Der hätte auch was über die Zysten gewusst. Ich denke, die sind funktionslos. Oder so. Hm. :-)

  8. 8
    doppelfish 

    Hm. Erstmal nachschauen, was “Diktion” heisst. Immer dieser Fachjargon.

  9. 9
    Aquii 

    Finde das “Juristendeutsch” gepaart mit dem Fachjargon der Mediziner kommt immer so emotionslos und sächlich daher…

  10. 10
    Susi 

    Ich hingegen begreife es eher als eines der letzten großen ungelösten Rätsel der Menschheit. ;-)

  11. 11
    Thomas 

    Fachjargon, so kam es mir im Studium oft vor, ist nur dafür da, damit nicht sofort jeder Nichtfachmann unsere Ahnungslosigkeit, bzw. wie einfach unsere Tätigkeiten gehalten sind, durchschauen kann. Sonst wollen die das auch und dann wird es eng!

  12. 12
    doppelfish 

    @Thomas: Aber Der Rechthaber ist doch RA, nicht Mediziner.

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