Herr J. mag mich nicht.
Mittwoch, 16. Juli 2008 | Autor: Michael
Nun sitze ich schon zum soundsovielten Male hier und warte auf Herrn J.
Herr J. kommt nicht. Ich hätte es, bei genauer Betrachtung, voraussehen können. Seit ungefähr 2 Jahren vereinbart Herr J. alle paar Wochen einen Besprechungstermin mit dem Büro, mit viel Trara – “reicht denn auch eine halbe Stunde” oder “es ist dringend, geht es nicht früher” – … und dann kommt er wieder nicht. Versucht man ihn dann wieder anzurufen (Handy), geht er nicht ran, und auf mailboxmäßige “Bitten um Rückruf” reagiert er dann nicht.
Wer ist also dieser Herr J.? Will er nur Aufmerksamkeit? Dieser kann er mittlerweile gewiss sein. Sollten Sie, Herr J. also wider Erwarten diese Zeilen lesen, so erscheinen Sie doch bitte. Das nächste Mal. Das ist dann übrigens im September, sagt der Kalender bereits.


Irgendwas wird da wohl vorgefallen sein …
Wie? Der macht immer wieder einen Termin und ist noch NIE erschienen? Es gibt schon seltsame Vögel auf der Welt…
Wie lang hast du denn gewartet? Vielleicht war er nur sehr spät?
Yep. Noch nie erschienen. Mittlerweile wirklich etwas voraussehbar indeed. Und Tina, oh ja, er ist in der Tat “sehr spät”, immer noch.. du erscheinst ja wenigstens irgendwann mal.:-))
Ich kenne einen Herrn J.
Aber der kann das eigentlich nicht sein.
Soll ich ihn trotzdem mal fragen?
Nun, werte Frau Cara, fragen schadet sicher nicht. Obwohl ihm das sicher den Überraschungseffekt nehmen könnte…hm.
Guten Tag, mich schickt das Frollein Cara. Sie brauchen einen Taubenvergrämer, der zusagt, aber nicht kommt? Kein Problem. Bin sozial phobischer Taubenvergrämer und komme garantiert nicht. Vorher verspreche es aber steif und fest. Das wird eine prima Zusammenarbeit!
Oh – zu reizend Herr Taubenvergrämer, zu reizend. Darf ich sie höflich an Ihren nächsen Termin erinnern, nur mal so vorsorglich? Allerdings scheinen sie, bei näherer Betrachtung, eher Herr F. zu sein. Nun, das schadet nicht. Und für den Fall, dass sie wider Versprechen doch erscheinen: die Taxikosten unterschreiten die Venedigfahrt nicht unerheblich. Dies sollte ein Ansporn sein.
Eigentlich bin ich Herr S., aber ich lispele. Der nächste Termin geht klar. Ich werde nicht da sein. Sie erkennen mich daran nicht, dass ich keine Rose trage.
Gut, Herr S. Das nenne ich einen Deal. Dann bis zum nächsten Mal. Und falls ich sie im nächsten Jahr in Venedig, vielleicht am Canale Chiara, taubenvergrämend antreffen sollte, erwarte ich, dass sie grußlos an mir vorbeiziehen.
und ich erwarte, dass sie mich anspucken. das ist in unserer familie eine nette tradition unter fremden
Nun, das kommt auf die Entfernung an. Sie dürfen nicht allzuviel Abstand halten.
Sie haben alle einen an der Waffel, oder? Da würde ich mich auch woanders rechtsberaten lassen. Allerdings vereinbare ich immer keinen Termin, bevor ich nicht erscheine. Schwierig, schwierig.
Aber Sie, Herr Juf, würde ich doch gerne mal anspucken, sehr gerne
Das erinnert mich an die Schilderung eines Psychologen, der von seiner Arbeit berichtete, dass es einen Haufen Leute gibt, die sich bei Therapeuten anmelden, dann aber nicht hingehen müssen, weil sie sich mit dem Anruf selbst bewiesen hätten, sich und ihr Problem ernst zu nehmen und dadurch allein die Seelenkurve kriegen.
Vielleicht ist es bei Herrn J. so ähnlich.
Vielleicht hat er aber auch einen schlechten Orientierungssinn, oder landet jeweils bei einem Anwalt mit einem ähnlichen Namen …