Gerichtssaal, irgendwo in Deutschland. Die Parteien und ihre Anwälte treten ein. Hinter dem Richtertisch ein Richter, mittleres Alter, plus Referendarin.
Richter (R): Guten Tag, nehmen Sie Platz. Wir verhandeln heute in der Sache der Frau A gegen Herrn B wegen Rückzahlung einer Darlehensforderung. Erschienen sind (R mustert die Parteien) Frau A, vertreten durch Herrn Rechtsanwalt X und Herr B, vertreten durch Frau Rechtsanwältin Y.
Frau A und Herr B: Guten Tag. (X und Y nicken R zu)
R: Also eigentlich ist das hier eine klare Sache. Sie Frau A, haben Herrn B, offenbar ihrem Ex-Lebensgefährten, 4.000 Euro geliehen, und Herr B hat davon nur bislang 200 Euro zurückgezahlt. Der Restbetrag von 3.800 Euro war schon vor über einem Jahr fällig. Und Sie, Herr B, behaupten nun, Frau A hätte mündlich Ihnen gegenüber auf diesen Betrag verzichtet?
B: Ja.
R: Aha. Ja, und wie wollen Sie das bitte beweisen? Von Zeugen habe ich in den Schriftsätzen ihrer Anwältin nichts gelesen.
B: Aber es war so. Sie hat später bei einer Feier von Freunden darauf verzichtet.
R: Na gut. Nun sind wir ja hier in der Güteverhandlung. Ein langer Prozess kann teuer werden und Nerven kosten. Ich würde Ihnen ja dringend eine Einigung vorschlagen. Driiiiiiingend.
(A schüttelt den Kopf und flüstert etwas zum Anwalt X)
X: Herr Vorsitzender, meine Mandantin möchte sich nicht vergleichen.
R: Sie haben ja noch nicht einmal meinen Vorschlag gehört.
X: Ach so, ja, wie haben Sie sich das denn vorgestellt mit dem Vergleich?
R: Herr B zahlt an Ihre Mandantin die Hälfte. 1900 Euro, notfalls in Raten.
(A schüttelt heftig mit dem Kopf und flüstert X erneut etwas zu)
X: Das ist für uns nicht akzeptabel.
A: Darf ich was sagen?
R: Was denn?
A: Ich .. sehe nicht ein.. wieso. Ich brauche das Geld dringend, kann nicht einmal mehr die Miete bezahlen. Er hat mir versprochen, er zahlt es sofort zurück, statt dessen… ich hab ja nicht mal mehr was zum Leben nach, mein ganzes Erspartes…
X (fällt ins Wort): Herr Vorsitzender, für einen solchen Vergleich gibt es doch keine Veranlassung – Sie sagten doch selbst, Herr B hat keine Chancen und muss zahlen.
R (leicht erhobene Stimme): Herr X. Eins kann ich Ihnen jetzt schon sagen: mit einem Urteil befrieden Sie diese Parteien mit dieser Vorgeschichte nicht.
X: Was für eine Vor…
R (unterbricht) : In Sachen wie diesen macht ein Urteil nun überhaupt keinen Sinn. Ich weiß ja, dass Anwälte primär ihre Gebühren im Kopf haben…
X (unterbricht): also ich weiß wirklich nicht was…
Y (schüttelt mit dem Kopf und lacht) : Das tut nichts zur Sache, wir sind vergleichsbereit..
R: … aber hier geht es doch um darum, dass die Parteien sich dauerhaft einigen und zur Ruhe finden.
A (holt Taschentuch aus der Tasche und beginnt zu schneuzen; X legt Hand auf ihren Arm): Ich will doch nur das was mir zusteht…
R:…. das kriegen Sie sowieso nicht bei mir. In dieser Sache mache ich Ihnen kein Urteil, da können Sie von träumen.
A (schluchzt): …was soll ich denn bloß machen..
X: Also das geht so wirklich nicht. Ich stelle jetzt meinen Antrag.
R: und dann? Und dann? Glauben Sie wirklich dass Ihre Mandantschaft mit einem Urteil glücklich wird? Sie sollten sich wirklich einigen. Sehen Sie doch, wie Ihre Mandantin sich schon jetzt aufregt. Wenn der Prozess noch länger dauert wird es noch viel schlimmer.
A (heulend, ins Taschentuch trompetend): Aber ich weine doch nur weil ich hier nicht mein ganzes Geld bekommen soll und ich weiß nicht warum…
R (zu X): Sehen Sie? Sehen Sie??? Also sowas hab ich noch nicht erlebt. Nun reden Sie doch mal mit ihr. Die Frau ist doch völlig fertig, sehen Sie nicht wie sie das hier alles belastet?
X (zu A): Ja.. wollen Sie sich denn einigen?
A (weinend): neeieiiin.. will nur mein Geld…
R (haut mit Faust auf den Tisch): Also soviel Sturheit ist mir ja hier noch nicht untergekommen. Verdammt nochmal, jetzt vergleichen Sie sich endlich, sonst werd ich wirklich noch wütend. Das ist ja zum Ausrasten!!
X (zu A, flüsternd): ..die Hälfte ist doch auch etwas…
A (heulend): Ich kann nicht mehr.. ich will hier raus..
X (flüsternd): …dann lassen Sie uns schnell vergleichen..
R: Höre ich da etwas raus zur Einigungsbereitschaft? Das wäre ja nun wirklich einmal was Erfreuliches heute..
X: Ich denke, sie möchte sich auch einigen.
A (zitternd, heulend): will mein Geld….
R: Sehr schön. Die Parteien schließen dann zur Erledigung des Rechtsstreits folgenden Vergleich: Der Beklagte zahlt an die Klägerin einen Betrag von 1.900 Euro. Die Kosten des Rechtsstreits einschließlich des Vergleichs werden gegeneinander aufgehoben. (spult das Diktat noch einmal zurück und lässt das Diktatband mit dem Vergleichstext nochmal laufen, wendet sich dann nickend an alle) Soo richtig?
X, Y und B nicken, A schluchzt.
R: Gut. Vorgespielt und genehmigt. Vielen Dank. Ich bin sicher, das war eine gute und richtige Lösung. (steht auf) Kommen Sie alle gut nach Hause.