Mediation. Alles wird gut.
Sonntag, 23. November 2008 | Autor: Michael

Dieses eindruckvolle Schaubild findet sich auf der Seite www.consenseo.com des Osnabrücker Kollegen Brinkmann.
Und zu den Kosten schreibt der Kollege Folgendes:
Die Kosten für ein Mediationsverfahren bleiben übersichtlich, da eine für alle Seiten akzeptable Lösung meist nach wenigen Terminen erzielt wird.
Die Beteiligten legen die Kostenverteilung gemeinsam fest. In der Regel teilen sich die Konfliktbeteiligten anteilig die Kosten des Mediators, der auf Stundenbasis abrechnet.
Im Zivilprozess trägt die unterliegende Partei alle Gerichts- und Anwaltskosten, auch die der anderen Partei. Entsprechend groß ist der Aufwand, den die Parteien betreiben, um ihr Verlustrisiko zu minimieren.
Ein Rechtstreit löst nicht nur Gerichts- und Anwaltskosten aus; er blockiert vielfältige Ressourcen und menschliche Energien nicht selten über Jahre hinweg. Mit dem Einsatz von Mediation ist dieses wertvolle Potential schneller freigesetzt und wieder verfügbar. Die Vertraulichkeit der Mediation verhindert unkalkulierbare Folgekosten und Imageschäden.
Also ich will auch Mediation. So. Allein die Streitwerte: das Schaubild suggeriert mittlere Streitwerte irgendwo im Millionenbereich. Fein. Und dann: alle sind zufrieden. Mandant ist glücklich, Anwalt sowieso, und der Richter auch (weil nix zu tun).
Oh je. Wenn es denn so wäre… seufz.


Die Dimensionierung der x-Achse find ich auch erstaunlich – interessant wär’s ja mal für Pillepallebeträge. Aber dann hätte man noch deutlicher gesehen, wie unterbezahlt Mediatoren sind, obwohl sie allerorten Frieden stiften.
Allerdings. Oben wird ja suggeriert, dass es regelmäßig Riesenstreitwerte gibt.
Ich hab ja mit der Mediation, selbst mit der gerichtlichen, durchaus gute Erfahrungen gemacht, und Kirstin wird es z.B. auch bestimmt gut machen.
Das Schaubild übersieht, dass gerichtliche Mediationen keineswegs immer erfolgreich enden; so kommen dann die Gebühren aus der Honorarvereinbarung zu den gesetzlichen Gebühren des Rechtsstreits noch hinzu. Auch der Vergleich hinkt – da werden die Kosten zweier Gerichtsinstanzen mit den Kosten einer Mediation verglichen… aber nicht immer geht ein Prozess durch zwei Instanzen (eher weniger). Auch werden die gerichtlichen Vergleiche vernachlässigt; da fallen nun einmal viel weniger Gerichtskosten an als oben impliziert.
Und schließlich sind die Kosten einer anwaltlichen Mediation ja nicht unbedingt streitwertabhängig, gerade bei Stundensätzen nicht.
So ein Murks, das.
Hm? Für mich sagt dieses Schaubild nur, dass die Kosten bei der Mediation die niedrigsten sind und die mit gerichtlichem Verfahren am höchsten.
Und die Pillepallebeträge findet man nahe beim Ursprung.
Trotzdem ein lustiges Bildchen.
Sehr lustig weil sehr falsch, jaja.
Aber warum denn falsch, wenn man mal von den hohen Streitwerten absieht, die vielleicht nicht unbedingt nicht den “Durchschnitt” widerspiegeln? Ist denn nicht der Sinn einer Mediation (auch) die Kosten zu senken?
Mir scheint, da braucht es ein paar mehr Graphen.
Und nah beim Ursprung lese ich ab, dass es bei einem Streitwert von 5.000 Euro fast nichts kostet, zumindest in Millionendimensionen.
Die Grundaussage, dass Mediation im Vergleich zum Gerichtsverfahren und zur Schiedsgerichtsbarkeit die preiswerteste Möglichkeit zur Lösung von Konflikten ist, stimmt grundsätzlich absolut. Insofern ist die Abbildung richtig.
Das Schaubild bezieht sich zudem auf die außergerichtliche Mediation und nicht auf die gerichtliche Mediation! Da sollte strikt unterschieden werden.
Gerichtliche Verfahren enden in fast über 50 % aller Fälle mit einem Vergleich. Viele Parteien könnten sich die teuren Gerichts- und Rechtsanwaltskosten sparen, wenn sie gleich einen außergerichtlichen Mediator aufgesucht hätten.
Sollte ein Mediationsverfahren nicht erfolgreich sein, kann es zusätzlich zu Gerichts- und Rechtsanwaltkosten kommen. Aber etwa 80 % aller Mediationsverfahren enden erfolgreich. Insofern sollte man viel öfter den Weg einer außergerichtlichen Mediation einschlagen.
Schön, dass es solche Seiten gibt, die auf die außergerichtliche Mediation und deren unbestrittenen Vorteile hinweisen!
Hm. Die Abbildung sieht bei einer Mediation mit Anwälten vor, dass die Kosten proportional zum Streitwert steigen. Das ist bereits nicht richtig, da regelmäßig Zeithonorare vereinbart werden. So kann eine hochstreitige Nachbarsache mit einem Streitwert von 1.000 Euro bei Stundensätzen von ca. 250 Euro bei einer Dauer der Mediation von z.B. 5 h teurer werden als eine weniger streitige Bausache mit nur einem streitigen Punkt aber einem Streitwert von 3 Mill. Euro und einer Dauer von 2 h.
Gerade bei geringeren Streitwerten (bis zu 10.000 Euro etwa) ist eine Mediation nicht günstiger, vereinbart man eine Vergütung nach Stundensätzen. Sie wird es allenfalls, wenn die Anwälte nach dem RVG abrechnen; aber bei Nachbarstreitigkeiten oder Familiensachen (Umgangsrecht z.B.) kann ein Anwalt so nicht kostendeckend arbeiten, grade wenn eine Mediationsverhandlung üblicherweise nicht unter 3 h dauert.
Das Schaubild bezieht sich in der Tat auf die außergerichtliche Mediation – diese ist aber nicht unbedingt die Regel. Üblicherweise geht ein Gerichtsverfahren in die Mediation über – und wenn diese dann scheitert, wird es, s.o., teurer.
Ein gerichtlicher Vergleich ist bei Streitwerten von bis zu 50.000 Euro von den Gerichtskosten her sicher günstiger als ein zu zahlender Mediator, da dann pro Nase bei 50.000 Euro Streitwert nur 228 Euro Gerichtskosten entstehen.
Der Hinweis auf 80% Erfolgsquote der Mediationsverfahren ist immer wieder beliebt, übersieht aber z.B., dass im “Erfolg” der Mediation auch viele Teilvergleiche mit erfasst sind: sind 10 Punkte streitig, bleiben nach der Mediation aber noch 9 streitig und enden im Gerichtsverfahren, so gilt dies statistisch als Mediationserfolg. Die eigentliche “Erfolgsquote” dürfte bei 50% liegen.
Ich bin ja kein Gegner der Mediation (mehr), aber das Schaubild ist jedenfalls unrichtig.
Das ist eine der albernsten Grafiken, die ich kenne, und glauben Sie mir, ich habe einiges gesehen…
Ich bin sicher kein Mediationsexperte, aber eines scheint sicher, der “Rechthaber” scheint auch kein Mediationsexperte zu sein. So manches in seinem Kommentar ist aus meiner Sicht schlicht falsch!
Habe mir deshalb extra auch nochmals die Informationen auf den Internetseiten des Bundesjustizministeriums zur Mediation angeschaut.
Mediation kann demnach z.B. auch bei geringen Streitwerten als 10.000 Euro kostengünstiger als ein Gerichtsverfahren sein.
Und wer sagt eigentlich, dass üblicherweise Gerichtsverfahren in eine Mediation übergehen? Der Kommentator scheint wirklich nur die gerichtliche Mediation zu kennen.
Und wenn in einer Mediation von 10 Punkten 9 gelöst werden, ist das aus meiner Sicht auf jeden Fall ein Erfolg, da ich mir dann insbesondere die teuren Anwaltskosten vor Gericht spare.
Ich finde es gut, dass sich Mediation immer stärker verbreitet!
Mediation ist bei geringen Streitwerten unter 10.000 Euro allenfalls dann günstiger, wenn die Stundensätze niedrig sind und die Mediation nicht die übliche Dauer in Anspruch nimmt.
Das Bundesjustizministerium ist sicherlich wegen der dort verfolgten Interessen (Entlastung der Gerichte) nicht unbedingt objektiv.
Der Regelfall ist nach wie vor die “gerichtsnahe” Mediation, wenn ein Rechtsstreit erst einmal anhängig ist. Richtig ist, dass die Mediation außergerichtlich durchaus mit Erfolg vorkommt; viel häufiger ist jedoch die “gerichtsnahe” Mediation, also während eines bereits lfd. Gerichtsverfahrens. Der Kommentator kennt beides. Ich habe Baustreitigkeiten u.v.m. im Rahmen einer Mediation begleitet, ohne dass es zum Prozess kam. An der Ausnahme ändert dies allerdings nichts.
Und ich erwähnte den Fall, dass von 10 Punkten 9 ungelöst bleiben, nicht umgekehrt.
Nochmals: ich bin kein Gegner (mehr). Aber das Schaubild ist unrichtig.
Ich finde die Grundaussage des Schaubildes noch immer richtig!
Lieber Herr K.,
anstatt mit Füßchen zu stampfen, wären Argumente vielleicht ganz hilfreich. Herr Rechthaber hat ja auch welche aufgefahren, jetzt sind Sie wieder dran.
Susi.
Ich denke, sehr gute Argumente und Verweise für die Mediation habe ich genannt!
Die wurden doch aber entkräftet?!
Welch exzellente Rechthaberei hier doch zu lesen ist! Ich hab ja schon mitentkräftet, möchte aber an dieser Stelle nochmal anregen, auch in deutschen Schulen Debattierclubs einzuführen.