Neue Einkommensquelle – myhammer goes Anwalt.
Montag, 13. Oktober 2008 | Autor: Michael
Über den beckblog bin ich auf www.frag-einen-anwalt.de gestoßen. Und bin zutiefst beeindruckt.
A la www.myhammer.de gibt es da Rechtsrat für fastnix. So ab 20 Euro kann man da sein Fällchen reinstellen, und dann reissen sich bundesweit Kollegen darum, ihn zu lösen. Eine Nachfrage ist auch umsonst enthalten.
Das System funktioniert. Bei einer ersten Durchsicht waren auch die Antworten der Vertreterinnen und Vertreter meines werten Berufsstandes auch durchaus brauchbar. Bei einer zweiten Durchsicht zeigt sich dann, dass das System durchaus seine Tücken hat. Manche Auskünfte sind – kein Wunder, bei der Kürze der Zeit und den Einsätzen – notwendig oberflächlich, und da hilft dann auch kein Nachfragen.
So z.B. hier: in der Sache geht es um die Notwendigkeit von Malerarbeiten beim Auszug aus einer Mietwohnung. Die Antwort des Kollegen auf die Bemerkung des virtuellen Mandanten, man habe nur eine Wand farbig gestrichen, ist allerdings eher unzureichend: entscheidend ist, ob eine grelle bzw. sehr ungewöhnliche Farbe verwendet worden ist, denn dann läge bereits eine “Beschädigung” der Mietsache vor.
Ich finde, es geht daher doch nichts über die gute alte Beratungsmethode, sei es am Telefon oder vor Ort am Schreibtisch. Allerdings: ich warte schon auf die Ersten, die nachweislich unrichtig beraten worden sind. Und Schadensersatzansprüche gegen die frag-einen-Anwalt-Berater geltend machen. Weil sie zum Beispiel nicht gestrichen haben, obwohl notwendig.


Dann hätte ich meine Prozesse also alle auch viel billiger haben können?!
))))))))
Darf man also daraus schließen, Sie haben sich nicht dort angemeldet?
Wer jetzt – ich jetzt? Oder Herr Rechthaber?
Eine Bekannte von mir reibt sich die Hände über diesen Service: Ein Widersacher, der sie in Urheberrechtsgeschichten übelst geprellt hatte, hat sich auf die Seite verlassen: Dann kam der Rechtsstreit, den die Bekannte mit einem echten Anwalt an ihrer Seite ausfocht: Sie freute sich sehr über die Urteilssumme!
die site (wie könnte es für einen couchtycoon anders sein) kenne ich schon lange und hab sie auch schon genutzt. hast schon mal nachgesehen, wer die site betreibt? der tv held friedmann
nachdem ich alles ausprobieren muss, hab ich auch diese site schon ausprobiert und bin summasumario mit twitternden anwälten deutlich zufriedener als mit michel friedmans arbeitslosen anwälten.
haben sie, herr rechthaber, eigentlich schon durch ihre web-aktivitäten einen kunden gewonnen oder nur welche verloren?
na auf die antwort bin ich gespannt. das sind die momente, in denen ein anwalt ein wenig mehr ins schwitzen kommt, als der normal-blogger
Ich hätte beinahe einmal einen Mandanten verloren, weil er keinen Anwalt beschäftigen wollte, der solche Bücher auf seiner Amazon-Wunschliste hat:
http://www.amazon.de/gp/registry/registry.html?ie=UTF8&type=wishlist&id=BT2VANZYRQHN
Problem an der Sache war nur:
ICH habe gar keine Wunschliste auf Amazon.
Es handelt sich um die Wunschliste „lediglich“ eines Namensvetters von mir.
@Susi: hier gibt es keine Rabatte. Nixda.
@Mc Winkel: Sie meinen Susi. Und was sie heimlich tut, weiß ich nicht.
@buchstäblich: oh, ein “echter” Anwalt. Eine Definition, bitte.
@CouchTycoon: Achnee – Kollege Friedman, sowas. Daher weht der Wind… oh, und im Übrigen bitte abwarten…
@juf: soll ich wirklich alle beleidigenden emails meiner ehemaligen Mandanten an mich veröffentlichen? Nixda.
@Michael Seidlitz: Ich kenn das. Habe eine Seite bei facebook von mir gefunden. Das war aber nicht ich. Diese virtuelle Welt hat deutliche Tücken. Feine Bücher, btw.:-P
Na,ein echter Anwalt ist einer, der seinen Job ernst nimmt und ihn kompetent ausübt. So ernst, dass er für Dumping-Geschiss auf http://www.frag-einen-anwalt.de gar keine Zeit hat, weil sein Wartezimmer voller Mandanten sitzt. So einer, der vielleicht mal in der Mittagspause bloggt, wie ein gewisser bloggender Anwalt, bei dem ich gern zum Lesen vorbeischaue, weil er auch nicht textet wie viele Schachtelsätze-versteht-niemand-lassen-mich-aber-wichtig-aussehen-Juristen.
Meine Bekannte und ich haben damals gemeinsam mit deren Anwalt die Internet-Aktivitäten des Kontrahenten und die Ratschläge seiner Für-fast-lau-Advokaten verfolgt und vielfach gebrüllt vor Lachen.
Also bitte. Der gewisse bloggende Anwalt kann auch Schachtelsätze, lol.
Aber das mit dem Ernstnehmen… das Problem ist auch, das viele liebe Kollegen sich selbst zu ernst nehmen, in ihrer Berufsrolle. Ungut das.
Die Wichtigtu-Schachtelsätzler können Schachtelsätze aber in der Regel nicht. Sie benutzen sie nur trotzdem. Wahrhaft kompetente Schachtelsätzler zeigen hingegen, dass sie Schachtelsätze nicht nötig haben, weil sie mit schlichten Argumenten zu überzeugen wissen.
Erstere hingegen sind es meist, die sich selbst so übermäßig ernst nehmen, dass sie sich gerade damit oft schon fast der Lächerlichkeit preisgeben: Fürchterlich. Und sie langweilen so.