Telefonpause.
Freitag, 12. Dezember 2008 | Autor: Michael
Landgericht. Berufungskammer, Zivilsache. Zähe Vergleichsgespräche. Zäh auch, weil das Gericht seine Meinung – ohne dass sich an der Tatsachenlage etwas geändert hätte – um 180 Grad gedreht hat – bestürzte Partei, fassungslos ob des drohenden Verlustes von Zigtausendeuros. Dann, mittendrin, nach einer Stunde, um 12.10 Uhr, in die Ausführungen des Vorsitzenden hinein, der Beisitzer:
“Ich muss mal telefonieren.”
Stille. Der Vorsitzende, leicht irritiert. “Jaa, dann… machen wir mal eine Pause. Wenn Sie dann bitte den Saal…” Schon verstanden. Die Parteien und ihre Anwälte erheben sich und verlassen den Saal. Leicht verwundert. Scheint dringender Fall zu sein. Also warten, draußen auf dem Flur. Kann ja nicht wirklich lange dauern. Hm.
In der Tat. 12.15 Uhr. 12.20 Uhr. 12.30 Uhr. Dann, die Tür zum Sitzungssaal geht wieder auf. “In Sachen … wird fortgesetzt.” Alle gehen hinein, setzen sich wieder. 20 Minuten. Es geht kommentar- und entschuldigungslos weiter. Nur der Beisitzer scheint etwas abwesend.
15 Minuten später dann. Die Parteien sind sich einig. Ein Vergleich. Nur die Kosten müssen noch gequotelt werden. Also rechnen. Der Vorsitzende, mit Blick auf den Beisitzer: “Wir machen eine 20minütige Pause. Sie können gerne etwas Essen gehen, wir schließen ab.” Alle wieder raus. Wieder warten, knapp 25 Minuten. Drinnen im Saal dann, der Vorsitzende verkündet eine einfache Kostenquote für die erste Instanz und Kostenaufhebung für die zweite. Äh. Dafür 25 Minuten??
Insgesamt dauert die Verhandlung incl. Pausen dann zweieinhalb Stunden. Fragen bleiben. Sie betreffen die Höflichkeit. Den Umgang des Gerichts mit Anwälten und Parteien. “Wie ernst nehmen die das hier eigentlich?” “Wenn ich hätte 20 Minuten telefonieren müssen, hätt ich das auch gekonnt?” “Ich hätte ja wenigstens “tut mir leid” gesagt. Tja. Zu viel verlangt?


Da ist gar wer mit dem D-Zug durch die Kinderstube…
“Tja. Zu viel verlangt?”
Nein, sicher nicht.
Kenne ich aber auch umgkehrt.
In der 10.00 Uhr-Sache kommt der Anwalt gegen 10.30 Uhr mit der Bemerkung, er sei in der Kanzlei noch aufgehalten worden.
Allerdings. Ein eher ungeschätzter Kollege aus dem Nachbarort kommt regelmäßig zu spät. Allerdings ging es oben um telefonieren und pausieren während der Sitzung… da hab bislang noch keinen Kollegen erlebt, der sowas brachte…
Vielleicht hätte man dem Vorsitzenden eine Vertagung vorschlagen sollen. Der will ja bestimmt nicht, daß das Gericht nicht voll handlungsfähig ist, nicht wahr.
Unmöglich, diese Zuspätkommerei! Pfui Spinne.
Übrigens bin ich grad über einen Robenshop gestolpert, interessant, was so eine Merino-Robe kostet. Und dass es für Patentanwälte nochmal ganz andere gibt als für Amtsanwält. Sowas. Ihr habt’s nicht einfach, echt nicht.
Der Roben-Shop
http://www.roben-shop.de/anwaltsroben-anwaltsroben-in-konfektionsgroessen-c-23_30.php
bloggt übrigens auch.
Interessant, dass auch eine vergessene Robe ein großes Problem sein kann:
http://www.roben-shop.de/blog/2008/12/08/anwalt-kann-aus-verhandlung-nicht-ausgeschlossen-werden/
Manchmal meint man, dass echte Leben muss draußen bleiben.
PS: Gestolpert bin ich über die Roben übrigens bei der Recherche zu einem Valentinstagartikel für Hunde. So kann’s gehen …
Ohne Robe? Das kann bööse ausgehen.
Äh…Tina.. willst du mir andeuten ich brauche eine neue Robe (hinthint…)?
Nee, ich kenn ja deine Garde-Robe gar nicht – oder? Ich hab jedenfalls nicht drauf geachtet, damals am LG. Willst du denn ne Neue?
Wo hier alle wie wild Wünsche posten, warum nicht du, hm? Aber ich weiß ja nicht, ob eine neue Robe nicht eher so unaufregend ist wie ein Paar Socken. Wobei, Merino, das sollte der Anwalt schon tragen, wenn man Klägerin von Welt sein will …
Oh, das lese ich jetzt erst! Ich dachte, hier ginge es nur um Unhöflichkeit vor Gericht. Das schockt mich jetzt nicht mehr allzu sehr, wenn ich ehrlich bin. Aber Mode! Anwaltsmode! Jaaa, da diskutiere ich gerne mit.
ich bin ja für die wärmende Kaschmirvariante. Feinstes Himalaya-Lamm oder so. Bügelfrei. Für perfekten Faltenwurf und so.
Also, dieses Roben-Thema ist ja hochkomplex. Richter und Anwälte tragen offensichtlich komplementäre Roben – soll uns das was sagen? Warum aber tragen Patentanwälte dieses grauenhafte Kobaltblau? Iiii.
Lieber Herr RH, könnten Sie dazu mal bloggen? Danke.
Erstaunlich, wie schnell ihr aus einem tiefsinnigen thread über telefonierende Richter einen Robenmodethread macht…
Gern geschehen.
Vielleicht hat er ja mit dem Robenshop telefoniert und musste fragen, ob seine Traumrobe auch noch zu Weihnachten ankommen wird?
Komplementäre Roben? Seh ich gar nicht. Aber das heißt dann wohl “Im Zweifel für den Angeklagten”?
Schön, dass hier Richter endlich auf Nummer sicher gehen können mit nicht-elektrisierenden, politisch korrekten Roben:
“Sie hat nichts mit den Billig-Roben zu tun, die meist Polyester-Besätze haben, gar überwiegend aus Polyester bestehen und aus Niedriglohnländern stammen.”
Und schön, dass die Protokollführer Puffärmelchen haben, dann weiß man gleich, dass man sie nicht so ganz ernst nehmen muss.
Auch nett: Roben-Werbung mit Comic.
http://www.gewandmeisterei.de/?gclid=CITFtoqiwpcCFYsh3godyBxYTA
Denk dran. Bei den Berliner Amtsjerichten brauch man gar keine Roben. Das mindert die Bedeutung nicht unerheblich.
Hätte man in der Tat erwarten können. Es verlangt ja dann keiner, dass der Grund angegeben wird, aber eine Entschuldigung mit Verweis auf eine gewisse Dringlichkeit des Anrufes wäre eine gute Geste gewesen.
Lässig, die Berliner. Kommen die Richter da auch in Jeans?
Und sag endlich: Wie viele schöne Roben hast du und welcher Schnitt ist grad en vogue?
Patentanwalt würde ich schon nicht sein wollen, weil Blau und Schwarz zusammen einfach gar nicht geht.
Und ich würde auch eine Erklärung erwarten, worum’s in dem Telefonat geht. Mit allen Details.
Erinnert mich an eine ähnliche Begebenheit beim Amtsgericht Braunschweig: Die Verhandlung schleppt sich wegen Einigungsbemühungen etwas länger hin. Plötzlich klingelt ein Mobiltelefon. Peinlich, hat da mal wieder jemand vergessen, sein Handy vor der Verhandlung auszuschalten?
Nein, es ist das Handy des Richters, und der nimmt den Anruf völlig ungerührt an: “Nein, ich bin hier noch in der Verhandlung, dauert wohl noch etwas länger. Geh schon mal ohne mich essen, ich komme dann nach.” Legt auf und verhandelt ohne ein Wort der Entschuldigung oder auch nur Erklärung weiter.
Das hätte sich mal einer der anderen Verfahrensbeteiligten erlauben sollen …
Hm, also wohl recht unerzogen, die Gerichtswelt, wie?
Was ist denn nu mit einem Roben-Beitrag?
Ich hab die Unterzeile des Blogs ja nicht grundlos “law suit, anyone?” genannt …
Hetz mich nicht, Tina. Ich arbeite.