Warten auf… – den Richter.
Montag, 8. September 2008 | Autor: Michael
Anwälte sind immer pünktlich. Nun ja. Meistens. Manchmal führen gewisse Verkehrsprobleme dazu, dass sie es nicht sind. Manchmal werden sie aufgehalten; oft von anderen Gerichten, grad wenn die Termine dort länger dauern als erwartet. Manchmal auch von eigenen Mandanten. Und manchmal verpennen sie den Termin auch einfach. Dann werden sie unsanft geweckt von Anrufen der Geschäftsstelle des Gerichts (“Wo bleiben Sie denn”) oder von der Richterin/dem Richter höchstpersönlich. Und erscheinen sie dann manchmal zu spät, gibt es auch schon mal Tadel, gar “WasfälltIhnenein”-Schreiereien in der öffentlichen Sitzung. Tut man ja auch nicht, sowas. Tsts.
Richter sind auch immer pünktlich. Dachte ich jedenfalls bis vor einigen Monaten. Gut, es kommt schon mal vor, dass sich die Termine verzögern, dann muss Anwalt halt vor dem Saal warten. Aber was, wenn der Termin gar nicht im Saal, sondern nachmittags am Orte des Geschehens stattfindet – und nichts Gerichtliches kommt?
Fast das erste Mal geschah dies vor etwa eineinhalb Jahren. Das Gericht hatte einen Ortstermin in der Pampa anberaumt. 16.00 nachmittags. Alle waren da. Nur der Richter nicht. Um 16.10 wurden die anderen Beteiligten langsam nervös. Jemand rief auf der Geschäftsstelle des Gerichts an. Gute Idee. Leider ist regelmäßig dort so ab 15.30 niemand mehr da. Um 16.15 wollten manche gehen. Immerhin stritt dafür das Argument, dass ein Richter grundsätzlich auch nur maximal 15 Minuten warten muss, wenn niemand kommt, und dann entscheiden darf. Aber die, die gehen wollten, trauten sich nicht, letztlich. Was, wenn der Richter kommt und niemand mehr da ist? Ordnungsgeld? Ordnungshaft gar? Das wollte niemand riskieren. Und dann, in wirklich letzter Sekunde, erschien dann das hohe Gericht, um 16.22. Natürlich ungetadelt, der wer soll Richter auch tadeln. Und entschuldigungslos. Nun ja. Immerhin da.
Dann, zuletzt. Vor einigen Monaten. Wieder 16.00. Dieses Mal ein anderer Ort, ein anderer Richter. Lächerliche 75 Minuten Anfahrt für 85 km. 16.10. Nur die Parteien und ihre Anwälte warten. Auf den Richter. 16.15: Anruf in Geschäftsstelle (Resultat: s.o.). 16.15. Niemand Richterliches. 16.30. Seltene Einmütigkeit der streitenden Parteien. Das ist nicht nett vom Richter, nein. 16.35. Auflüsung der kleinen Versammlung. Alle fahren heim.
Nächster Vormittag im Büro. Der Richter ruft an. Er hat den Termin vergessen. War am Tag zuvor auf einer Hochzeit. Herzlichen Glückwunsch. Nein. Nicht die eigene. Hätte etwas länger gedauert und daher habe er den Termin vergessen. Nun ja. Es gibt ja auch Wichtigeres im Leben, versucht man Verständnis zu zeigen. Ja, aber es täte ihm schon leid. Und er wolle den Schaden wiedergutmachen, aus seinem Portemonnaie. Oh, sagt man. Das ist ja nett. Geht aber wohl nicht ohne Zustimmung des Dienstherrn. Von wegen Vorteile für eine Diensthandlung und so (Bestechungsdelikte). Ach so, sagt Richter und grübelt. Dann lieber doch nicht, sagt er. Nächstes Mal dann wieder pünktlich. Aber gerne doch.


Ich hätte vielleicht doch Richter werden sollen. Und Tina auch. ;-P
aha. konversation heimlich hierher verlegt und gehofft ich merks nicht.
Nur sachliche Kommentare bitte, Herr Tycoon.:-P
meine güte ist man in reinbek heute verkrampft
lol. Mir fehlt dein Espresso.:-)
DER Richter ist hart drauf, erst den Termin vergessen, dann noch den Paragraphen zur Bestechlichkeit…