Wenn Kollegen schreiben…
Dienstag, 8. Juli 2008 | Autor: Michael
… ist ganz schnell die kleine Münze (die für anwaltliche Schriftsätze ohnehin nicht gilt, jaja…) erreicht. Allerdings kann sie auch dann recht schwer im Magen liegen.
So las ich gerade in einer Klagschrift: “Und so stellt auch dieser Fall ein Stück typische alltägliche Unredlichkeit dar, welche von der Dritten Staatsgewalt keinesfalls noch Unterstützung erfahren darf!”
Wow.
Noch ein Gedicht: “Aber es ist nach Ansicht der Klägerin sowohl inakzeptable schlechte Erziehung als auch nicht hinnehmbarer schlechter Stil, den Vertragspartner – wie erst wieder am 8.4.2008Â geschehen – zur engagierten Planung zu animieren, sich dann jedweder Mitwirkung zu enthalten und stattdessen aus dem Hinterhalt heraus unter Zuhilfenahme fadenscheiniger Argumente anwaltlich agieren zu lassen.”
Vielleicht sollte ich zukünftig mich dieser Diktion auch in meinen Schriftsätzen annähern, hach, was bin ich immer freundlich und zurückhaltend und langweilig. Na gut… ich müsste dann deutlichmehr Ausrufezeichen verwenden (bislang tendiert die Zahl der Verwendung dieses Zeichens in Schriftsätzen gen Null…), aber das kann ich ja auch noch lernen.


Und ich würde dir raten, MIT VERSALIEN NOCH EINS DRAUFZUSETZEN!!!!
IF YOU SAY SO!!!!
Ui. Das liest sich spannend. Vielleicht könntest du einen Roman daraus stricken, Bestseller werden und ein Schloss kaufen?
Dafür dürfte es wohl nicht so ganz reichen.. Ach ja. Wir haben ein Sachlichkeitsgebot, aber in Zeiten, in denen sich die Kollegen gegenseitig auf die Füße treten wegen der ach so schönen Mandate hat sich das wohl erledigt.
“Der Rechtsanwalt darf sich bei seiner Berufsausübung nicht unsachlich verhalten. Unsachlich ist insbesondere ein Verhalten, bei dem es sich um die bewußte Verbreitung von Unwahrheiten oder solche herabsetzenden Äußerungen handelt, zu denen andere Beteiligte oder der Verfahrensverlauf keinen Anlaß gegeben haben.”
O tempora o mores. Oder so.
na, dass ihr Anwälte Bessermenschen seid, glaube ich sowieso nicht mehr.
Bin froh, dass ich so unmoralisch und unsachlich und unsonstwas sein kann, wie ich mag.
Wenn du dann gelegentlich erläutern würdest was deine Meinung geändert hat…
na was wohl.
Richter sind ja auch Juristen, oder?! Überhaupt das ganze Rechtssystem … Grmpf. Nein, ich steigere mich jetzt nicht wieder hinein. Nö.
Mein tiefstes Beileid, wenn du öfter solchen leserfeindlichen Ergüssen folgen musst. Es wimmelt nur so von interpunktorischen Fehltritten und stilistischen Tretminen.
Ich muss jetzt schnell etwas Schönes lesen, damit dieser vorkorkste Versuch pseudo-literarischer Anmutung keine nachhaltige Lese-Schreib-Hemmung bei mir auslöst.
Danke für dein Mitgefühl. Es kommt leider immer öfter vor. Allerdings… so krass wie der werte obige Kollege dann doch eher selten. Anscheinend gibt es aber auch immer noch Mandanten, die diesen Stil sogar wünschen. Uh oh.