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Wieder was dazugelernt, oder: ab 1.1.2009 Heirat light.

Freitag, 12. September 2008 | Autor: Michael

Die NJW überrascht den geneigten Leser immer wieder.

In der heutigen Ausgabe (38/2008) findet sich ein Aufsatz mit dem Titel

“Die verblüffende Aufhebung des Voraustrauungsverbots und ihre Auswirkungen”.

Nun kann eigentlich nur etwas aufgehoben werden, was bereits da ist, denkt man. Gut. Was aber bitte ist das Voraustrauungsverbot? Und dann, was verblüfft an der Aufhebung?

Ich für meinen Geschmack finde weniger die Aufhebung verblüffend als mehr das Verbot selbst. Egal. Zum Glück erfährt man bei der Lektüre des Aufsatzes von Schüller mehr. Bislang war es doch tatsächlich sogar gesetzlich verboten, eine kirchliche Trauung (ahaa) ohne vorherige standesamtliche Eheschließung vorzunehmen. Also nix von wegen Ritus oder so – naaheiiin, der Gesetzgeber musste selbst das regeln. Hat er auch getan (1876 und 1937 übrigens, klar). Das finde ich, offen gesagt verblüffend(en Unsinn). Um so weniger verblüffend nun, dass das nun aus dem Gesetz verschwindet.

Ab dem 1.1.2009 sind also in Deutschland religiöse Eheschließungen möglich – ohne vorherige standesamtliche Trauung. Also überhaupt ohne Standesamt. Ich finde das verblüffend.

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Thema: Eheliches, Rechtliches

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Keine Kommentare

  1. Ich finde das gruselig.

  2. 2
    Susi 

    Wieso gruselig?

  3. 3
    Susi 

    In Austria geht das übrigens schon seit jeher. Diese Heirat ohne Standesamt hat übrigens den Vorteil, dass einem als Witwe(r) keine Rentenansprüche verloren gehen. Aber vielleicht haben sie das auch gleich noch mit abgeschafft?

  4. 4
    Ecki 

    Also für mich ist die Heirat im Standesamt einfach “amtlicher” ich weiss nicht. hm

  5. 5
    Susi 

    Aber sollte Heiraten denn nicht in erster Linie romantisch sein? *gucktverklärt* ;-)

  6. 6
    Michael 

    Ja – wieso gruselig, Frau Buchstäblich? Mal sehen wie so die Kontrolle dann läuft… ob den Standesämtern Mitteilung gemacht wird usw. Und ich fand die standesamtliche Trauung fürchterlich unromantisch. Zählte irgendwie nicht wirklich, Kirche hin oder her.

  7. 7
    Alice 

    Bleibt einem dann etwa auch die Zettelwirtschaft auf dem Amt erspart?
    Schoen waers …

  8. Ich dachte, das heisst nur, dass man jetzt die Reihenfolge wählen kann. Mir war das Voraustrauungsverbot zwar bekannt, wenn auch nicht unter diesem fabelhaften Namen. Aber ist es wirklich so, dass jetzt kein Standesamt mehr erforderlich ist? In Deutschland, Mutter der Bürokratie? Wie ist das mit ausländischen Eheschließungen? Mit Trauungen obskurer Religionsgemeinschaften? Mit Erbrecht und Co.?

    Herrje, die NJW ist ja ein Reißer, da bleibt einem die Spucke weg!

  9. 9
    Michael 

    Keine Zettel mehr dort – allerdings dann wohl in der Kirche. Abwarten wie das so läuft. Der weise Aufsatz schweigt sich da ein wenig aus.

  10. 10
    Wolfgang 

    Das Verbot der “Voraustrauung” stammt – glaube ich mich dunkel zu erinnern – aus den Zeiten des Bismarck´schen Kulturkampfs. Rückblickend war es damals eine Modernisierung sondergleichen: Nicht die Kirche entschied, wer im rechtlichen Sinne verheiratet war, sondern der Staat. Daran ändert sich aber auch am 1.1.09 nix. Wer nur in der Kirche, Moschee oder sonstwo heiratet, der verdient die Segnungen des deutschen Familienrechts nicht, sondern gilt als nichtehelich.
    Die Romantiker/innen sollten also schon noch wenigstens zeitweise die rosa Brille abnehmen – und vor oder nach der Trauung den Weg zum Standesamt wagen. Nur dort ist der volle Mut erforderlich. Alles andere zählt ohnehin nicht richtig – vor deutschen Gerichten.
    Was vor dem jüngsten Gericht dann gilt, müssen einem die dortigen Anwälte erklären. Ob´s da PKH gibt?

  11. 11
    Michael 

    Lol. Segnungen des deutschen Familienrechts ist gut. Das aus deinem Munde. Und PKH gibt es überall, auch da oben. Aber wenn du Recht hättest, dann ist das also alles gar nicht so verblüffend. Ich muss den Aufsatz noch mal lesen (hast du schon?).

  12. 12
    Wolfgang 

    Keine Zeit für Aufsätze. Will Banjo spielen!

  13. Pfaffen dürfen amtliche Verwaltungsakte vollziehen? Wo kommen wir da hin?
    Was an kirchlichen Hochzeiten romantisch sein soll, habe ich bislang nicht herausgefunden.
    Ich finde es nicht romantisch, sich als Sahnebaiser zu verkleiden und ein totes Folteropfer zuschauen zu lassen, wenn ich den Bund fürs Leben knüpfe.
    Auch Männer in Frauenkleidung finde ich – zumindest bei Hetero-Eheschließungen – ein wenig strange.

  14. 14
    Wolfgang 

    das ist dann kein “Verwaltungsakt” sondern eine rein religiöse Angelegenheit, die keine Ehe im zivilrechtlichen Sinne begründet. Eben nur etwas für Leute, die so was mögen. Wirkt nur emotional, nicht juristisch.

  15. 15
    Brandau 

    Mal sehen ob sich die (größeren) Kirchen überhaupt darauf einlassen. Bisher hatten sie ja immerhin mit der standesamtlichen Trauung auch die Gewähr dafür, dass die Eheleute es in irgendeiner Weise ernst mit der Heirat nehmen.

  16. 16
    Heribert Schüller 

    Lieber Michi, es ist ja schön, dass Sie meinen Aufsatz zitieren, aber dass das Voraustrauungsverbot 1933 eingeführt worden ist, stimmt nicht und steht folglich auch in meinem Artikel nicht drin. In ganz Deutschland gilt/galt es seit 1876.

  17. 17
    Michael 

    Lieber Herr Schüller, das ist zutreffend und oben mißverständlich formuliert. Ich entnahm das Jahr 1933 der Seite 2746 (li. Sp.) Ihres Aufsatzes wo es heißt: “Der schließlich in Art. 26 des Reichskonkordats vom 20.7.1933 getroffenen Vereinbarung liegt Bestehen und Wirksamkeit des Voraustrauungsverbots zu Grunde.” Richtig ist, dass das alte, schon vor geltende Verbot dann 1937 im PStG übernommen wurde und bis heute fortgilt. Ich schick da oben mal eine Randnotiz hoch.:-)

    Beste Grüße nach Bergisch Gladbach.

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