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Offene Fragen an die Verteidiger von Uli Hoeness

Glaubt man den Presseorganen, so ist der heutige Tag für Uli Hoeness nicht wirklich gut gelaufen. Solche Tage sind auch schlechte Tage für die Verteidiger eines Angeklagten.

Und tatsächlich gibt es Dinge, die ich nicht verstehe.

1. Wenn es richtig ist, dass Herr Hoeness 18,5 Mio Steuern hinterzog – warum sind nicht (mit einem gewissen Aufschlag) 20 Mio in den letzten Monaten an die Staatskasse gezahlt worden, um die “Reue” deutlicher zu machen als nur durch bloße Worte – wenn es doch um die “vollständige Rückkehr des Herrn Hoeness zur Steuerehrlichkeit” geht?

2. Warum gibt Herr Hoeness eine zweiseitige, verlesene schriftliche Einlassung zu Protokoll und gibt zusätzlich noch ein 20 minütiges statement ab (Strafverteidiger wissen: entweder oder….) ?

3. Warum ist es notwendig, einen Mandanten anlässlich seiner Einlassung so abfällig zu unterbrechen (Schlag mit der Faust auf den Tisch und Bemerkungen wie “Herr Hoeness, erzählen Sie keinen vom Pferd”) ? Warum war die Einlassung von Herrn Hoeness offenbar so schlecht vorbereitet, dass es derartiger Eingriffe bedurfte?

Und ich hätte noch zahlreiche weitere Fragen.

Auf dem letzten Strafverteidigertag der ARGE Strafrecht in Berlin wurde von vielen Kollegen hinter nicht einmal mehr vorgehaltener Hand gesagt, dass bayrische Strafverteidiger regelmäßig eine Konfliktverteidigung scheuen. Vielmehr soll es Usus sein, sich dort nicht mit dem Gericht in der Hauptverhandlung “anzulegen” und zu “kuschen”. Beweis- oder gar Befangenheitsanträge gegen Richter seien dort eine Unsitte. Nur wenige bayrische Strafverteidiger würden die Werkzeuge der StPO wirklich ausnutzen, offenbar aus Angst vor den Strafrichtern.

Ist das einer der Gründe für das was wir da momentan vor dem LG München erleben müssen?

Mein Strafverteidigerherz blutet. Nein, niemand kann wirklich beurteilen, ob die “Strategie”, die die Verteidiger dort fahren, die richtige ist. Aber anders als etwa der hochgeschätzte Heribert Prantl in der SZ meint – eine Strategie kann ich so gerade nicht erkennen. Momentan steuert Herr Hoeness jedenfalls nach einer m.E. notwendigen Nachtragsanklage der StA direkt auf Stadelheim zu und zwar schneller als es eine gute Verteidigung erlaubt.

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  1. Pingback: Wochenspiegel für die 11. KW, das war U.Hoeneß, Fotografieren unter den Rock und fingierte Rechtsschutzfälle - JURION Strafrecht Blog

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